Pekinger Buchmesse : Kulturmarkt China

Kultur für die Völkerverständigung: Als Teil einer Imagekampagne ist Deutschland Gastland auf der Pekinger Buchmesse. Um die Beziehungen zwischen den Ländern zu stärken, müsste noch mehr am kulturellen Engagement gearbeitet werden.

PekingDeutschland will seine kulturellen Beziehungen zu China stärker ausbauen. Bei einem China-Besuch zur Eröffnung der Pekinger Buchmesse mit Deutschland als Gastland sagte Kulturstaatsminister Bernd Neumann, im Vergleich zur wirtschaftlichen Kooperation "gibt es durchaus noch Nachholbedarf". Doch dürfe es "keine Einbahnstraße" sein, sagte Neumann und forderte nachdrücklich ein größeres kulturelles Engagement Chinas in Deutschland. Kultur könne mehr für die Verständigung zwischen Völkern leisten als die Wirtschaft.

Für deutsche Verlage gebe es gute Chancen auf dem wachsenden chinesischen Buchmarkt, wenn sie "am Ball bleiben und Ausdauer zeigen", sagte Neumann. Nach Frankreich und Russland ist Deutschland erst das dritte Gastland auf der internationalen Pekinger Buchmesse. Im Gegenzug wird China 2009 als Gastland auf der Frankfurter Buchmesse vertreten sein. An dem 1000 Quadratmeter großen Stand stellen deutsche Verlage eine Vielzahl deutscher Autoren vor, chinesische Übersetzungen sowie Kinder- und Reisebücher. Eine echte Gutenberg-Presse spannt den Bogen zur Tradition des deutschen Buchdrucks.

Verleger weltweit träumen vom chinesischen Buchmarkt

Der Direktor der Frankfurter Buchmesse, Jürgen Boos, verwies darauf, dass im Jahr 2010 rund 400 Millionen Chinesen potenzielle Buchkäufer sein könnten. Die Verleger weltweit hätten einen gemeinsamen Traum: "Sie träumen vom chinesischen Buchmarkt." Allein 2006 wurden 366 deutsche Bücher ins Chinesische übersetzt. Beim weltweiten Einkauf deutscher Lizenzen stehe China auf Platz sechs. Mit fast 13 Milliarden Euro lag der offizielle Buchumsatz in China im Jahr 2006 um drei Milliarden Euro über dem deutschen Markt.

Die deutsche Schau auf der Buchmesse gehört zu der dreijährigen Kultur- und Imagekampagne, mit der sich Deutschland in China präsentiert. Die erste Station hatte Kanzlerin Angela Merkel bei ihrem China-Besuch am Dienstag in Nanjing eröffnet. Staatsminister Neumann berichtete, dass bei einem geplanten Filmfestival im Rahmen der Deutschlandwochen mehrere Filme von der chinesischen Zensur nicht erlaubt wurden, darunter "Das Leben der anderen" über Bespitzelung in der DDR sowie "Das Parfüm", offenbar wegen freizügiger Szenen. Beide Filme sind allerdings als Raubkopien auf DVD in China erhältlich.

Bei einer Feier zur Eröffnung der Buchmesse in der Großen Halle des Volkes mit 1500 Gästen wurde der chinesische Buchpreis für besondere Verdienste an die Professoren Wolfgang Kubin, Ulrich Kautz und Mechthild Leutner verliehen, die sich für das Verständnis chinesischer Literatur und Kultur in Deutschland verdient gemacht haben. (mit dpa)