Peru : Fujimori vor Prozess-Marathon

Der ehemalige peruanische Präsident Fujimori sieht sich einer Welle von Prozessen gegenüber. Unter anderem geht es um Menschenrechtsverletzungen und Korruption. Fujimoris Tochter sieht ihren Vater allerdings "misshandelt".

LimaDem früheren peruanischen Präsidenten Alberto Fujimori stehen nach seiner Auslieferung in seinem Heimatland sechs unterschiedliche Prozesse wegen Korruption und Menschenrechtsverletzungen bevor. Wie der Präsident von Perus Oberstem Gerichtshof, Francisco Tavara, mitteilte, geht es in fünf Fällen um Korruption. Die Verfahren wegen schwerer Menschenrechtsverstöße zu Beginn von Fujimoris Amtszeit (1990 bis 2000) werden zu einem Prozess zusammengezogen. Nach Darstellung von Fujimoris Tochter, der Abgeordneten Keiko Fujimori, wird ihr Vater in der Haft in der Hauptstadt Lima "schrecklich misshandelt".

Wann und wo die Prozesse gegen Fujimori beginnen, ist zunächst noch völlig offen. Die Verteidigung erwartet, dass es wegen der angeschlagenen Gesundheit ihres Mandanten zu Verzögerungen kommen wird. Fujimori, der am Samstag von Chile an Peru überstellt worden war, wurde nach seiner ersten Nacht in einer Polizeikaserne in Lima wegen "leichten Bluthochdrucks" behandelt.

Keiko Fujimori sagte dem Rundfunksender RPP, ihr Vater dürfe in Lima keine Gymnastik machen, außerdem seien ihm am Sonntag die Medikamente zur Behandlung seiner Blutdruckprobleme weggenommen worden. Es werde ihm nicht einmal erlaubt, herumzulaufen. Sie habe "nicht den geringsten Zweifel", dass hinter dieser "Misshandlung" die Regierung von Präsident Alan García stecke, fügte Fujimori hinzu. Sie kündigte außerdem "wichtige Maßnahmen" ihrer Parlamentsfraktion Allianz für die Zukunft an, die bisher als enge Verbündete von Garcías Revolutionärer Amerikanischer Volksallianz (APRA) agierte.

Erstes Urteil in einigen Monaten

García sagte zu den Vorwürfen, für die Haftbedingungen sei die Justiz, nicht die Regierung zuständig. Fujimori verfüge in der Haft über die "erforderlichen Bedingungen". Nicht alle Strafgefangenen hätten wie er einen Empfangsraum oder ein eigenes Bad. Wenn er andere Dinge benötige, werde sich dies sicherlich bewerkstelligen lassen, solange die Prozessführung dadurch nicht beeinträchtigt werde.

Nach den Worten von Gerichtspräsident Tavara könnte in einem der sechs Prozesse gegen Fujimori schon in einigen Monaten ein Urteil ergehen. Dabei geht es um eine im Jahr 2000 erfolgte illegale Hausdurchsuchung bei der Ex-Frau seines früheren Beraters und Geheimdienstchefs Vladimir Montesinos. Dem "Rasputin der Anden" genannten Montesinos, der das Land mit einem Netz aus Spitzeln überzog und Millionenbeträge zur Bestechung einsetzte, dürfte Fujimori in einigen der anstehenden Verfahren gegenüberstehen. Montesinos ist seit 2001 wegen Korruption, Menschenrechtsverletzungen sowie Drogen- und Waffenhandels inhaftiert.

30 Jahre Haft wegen Menschenrechtsverletzungen möglich

Die übrigen Verfahren gegen Fujimori werden sich laut Tavara komplizierter gestalten und länger dauern. Mit der höchsten Strafe - bis zu 30 Jahren Haft - muss Fujimori bei dem Prozess wegen Menschenrechtsverletzungen rechnen. Ihm wird zur Last gelegt, dass das von ihm im Kampf gegen die maoistische Guerillaorganisation Leuchtender Pfad eingesetzte Sonderkommando "Colina" Anfang der 90er Jahre insgesamt 25 Zivilisten tötete - 15 Gäste einer Privatparty 1991 in Lima sowie neun Studenten und einen Professor der Universität La Cantuta im Jahr 1992.

Der Zeitfaktor ist bei den Prozessen von entscheidender Bedeutung. Fujimoris Verteidigung setzt darauf, dass sich die Verfahren länger als ein Jahr hinziehen werden. Im Juli 2008 wird Fujimori 70 Jahre alt, und mit Erreichen dieser Altersgrenze wird ihm möglicherweise Haftverschonung gewährt. (mit AFP)