Der Tagesspiegel : Peter-Michael Diestel: "Herr Diestel, Sie haben noch Fans"

Thorsten Metzner

Öffentliche Auftritte von Peter-Michael Diestel sind in Brandenburg ziemlich selten geworden. Aber einen hohen Unterhaltungswert verspricht das "Enfant terrible" der märkischen Union immer noch, erst Recht, wenn seine hiesigen Parteifreunde gerade einen neuen Kulturminister suchen müssen. Tatsächlich kam am Montagabend, als der frühere CDU-Landtagsfraktionschef und letzte DDR-Innenminister zu Gast beim Politikertalk der Potsdamer Neuesten Nachrichten in der Landeshauptstadt war, prompt die Frage aus den gut gefüllten Zuschauerrreihen: "Herr Diestel, warum werfen Sie nicht einfach selbst ihren Hut in den Ring? Sie haben doch noch viele Fans im Land."

Brandenburg habe endlich einen "starken Kulturminister verdient", einen der sich richtig "für die Rudimente" der Landeskultur einsetzt, hat Diestel da geantwortet. Für die Rudimente, die nach dem Weggang des angesehenen Kulturministers Hinrich Enderlein von dessen Nachfolgern übrig gelassen wurde. Diestel: Er habe jedenfalls keine Ambitionen auf die Mühsal der politischen Alltagsarbeit. Dass er nicht Minister werden würde, sagte er wiederum nicht. Wäre Beate Blechinger, einst parlamentarische Geschäftsführerin der von Diestel geführten Landtagsfraktion, die Richtige? Frau Blechinger sei "sehr eloquent, sehr klug, eine liebe Frau", so Diestel über die frühere Weggefährtin. Aber es sollte schon jemand sein, der so stark wie Berlins Kultursenator Christoph Stölzl oder Kulturstaatsminister Michael Naumann sei. "Ich würde mich freuen, wenn es Frau Blechinger wäre." Konjunktiv. Es wäre ja auch ein kleines Wunder gewesen, wenn sein Auftritt ohne Sticheleien und Provokationen abgelaufen wäre.

Die größere Überraschung: Auch die PDS, zu deren Politgrößen Gysi und Bisky Diestel ohnehin ein herzlicheres Verhältnis pflegt als zur eigenen Partei, kam diesmal nicht ungeschoren davon. Denn irgendwie hat die PDS auch für Diestel den Reiz des "Schutzbedürftigen" verloren. "Heute wohnen die in genauso großen Häusern wie ich, regieren mit, stellen Minister, sind verbürgerlicht." Und mit den "neuen Blassgesichtern", ohne Gregor Gysi und Lothar Bisky, werde die PDS "50 Prozent ihrer politischen Kraft" einbüßen.

Es gab noch ein bemerkenswertes Diestel-Geständnis aus den Hinterzimmern märkischer Politik: Er sei zwei Mal gefragt worden, als Oberbürgermeisterkandidat in Potsdam anzutreten: Einmal vom damaligen SPD-Landeschef Steffen Reiche, als der PDS-Mann Kutzmutz verhindert werden sollte. Und einmal von der PDS, die einen Kandidaten gegen SPD-Mann Platzeck suchte.

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