Der Tagesspiegel : Pfifferlinge so groß wie lange nicht mehr Regen lässt die Pilze sprießen – in den Wäldern

gibt es auch schon Maronen, Butter- und Steinpilze

Luckau - Das feucht-warme Wetter lässt die Pilze in diesem Jahr zeitiger sprießen als sonst. Schon vor einigen Wochen gab es im Erzgebirge, aber auch in der sächsichen und brandenburgischen Lausitz Pilze in Hülle und Fülle. Jetzt lassen die reichlichen Regengüsse vor allem Pfifferlinge und Maronen in den brandenburgischen Wäldern wachsen. Die schmackhaften Pfifferlinge beispielsweise erreichen derzeit Größen wie lange nicht mehr. Aber auch Butter- und Steinpilze gibt es bereits nicht zu knapp.

„Es wird eine sehr gute Pilzsaison geben“, sagt Mario Harbarth von der Oberförsterei Luckau im Landkreis Dahme-Spreewald. Der Revierförster kennt sich in den Lausitzer Wäldern besonders gut aus. Die Hauptwachstumszeit sei normalerweise zwar erst Ende August/Anfang September, doch könnten Sammler schon jetzt größere Mengen finden. „Das Wetter ist ideal, Pilze benötigen Feuchtigkeit und Wärme“, erklärt Harbarth.

Die südbrandenburgischen Wälder werden jährlich von tausenden Pilztouristen aufgesucht. Grund dafür sind die lichtdurchlässigen Kiefern- und Eichenwälder, in denen Pilze besonders gut wachsen. „Sammler sollten ein paar Grundregeln beachten“, rät Ute Schmidt aus Werder/Havel, Beraterin beim Brandenburgischen Verband der Pilzsachverständigen. So sei es besser, die Pilze nicht herauszureißen, sondern über der Wurzel abzuschneiden. Zur Aufbewahrung sind Körbe am besten geeignet. In Plastiktüten verdirbt die Ernte schnell. Man solle sich die Pilze auch erst genau anschauen. Zu große Exemplare seien oft nicht mehr genießbar. „Bei Verdacht auf eine Pilzvergiftung sollte sofort ein Sachverständiger aufgesucht werden“, rät die Expertin. In Brandenburg und Berlin gibt es dafür eigens eingerichtete Giftnotrufzentralen.

Zwar weisen manche Waldpilze immer noch radioaktive Spuren der Tschernobylkatastrophe von 1986 auf, diese sind jedoch bei Verzehr normaler Mengen für den Menschen mittlerweile ungefährlich. So kann beispielsweise Cäsium nach wie vor in Pilzen nachgewiesen werden. „Die Werte liegen etwa 60 Prozent über denen, die vor dem Unglück herrschten“, sagt Wolfgang Feldheim, Referatsleiter für Strahlenschutz beim Landesamt für Verbraucherschutz, Landwirtschaft und Flurneuordnung. Gefahr gebe es für den Menschen jedoch nicht mehr. „Die Dosis ist bei normalem Verzehr unschädlich. Das Landesamt nimmt jährlich Proben und überwacht die Strahlenbelastung.

Dabei gibt es regionale Unterschiede, die zum einen mit der Kontaminierung von damals zu tun haben, zum anderen aber auch mit den Bodenverhältnissen. Wolfgang Feldheim sagt: „Die Region um Rathenow im Havelland war 1986 besonders stark betroffen. Und sie hat immer noch die höchsten Werte in Brandenburg“. ddp/das

Eine Liste von Brandenburger Pilzberatern findet sich im Internet auf der Seite www.blp-ev.de. Die Giftnotrufzentralen sind: Institut für Toxikologie Berlin, Telfon (030) 192 40 (Tag und Nacht) und Virchow-Klinikum: (030) 4505 3555.

0 Kommentare

Neuester Kommentar