Der Tagesspiegel : PIPELINE FREUNDSCHAFT

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DDR-Staatschef Walter Ulbricht nahm Ende 1963 die Erdölleitung „ Drushba “ (Freundschaft") in Schwedt feierlich in Betrieb. Seitdem floss Rohöl aus den Weiten Sibiriens und der Ukraine in das Petrolchemische Kombinat, wo es zu Kraftstoff weiterverarbeitet wurde. Die Geschichte der Leitung stand ab sofort in jedem Schulbuch, galt sie doch als anschauliches „Beispiel für die Zusammenarbeit der sozialistischen Staatengemeinschaft “. Die DDR bezahlte die Öllieferungen und die Baukosten der Pipeline mit Mähdreschern, Werkzeugmaschinen, Hochseeschiffen und Lastwagen aus Ludwigsfelde. Ähnlich verfuhren die an die Trasse angeschlossenen Länder Polen, Tschechoslowakei und Ungarn. Von Schwedt führen einzelne Stränge nach Leuna und in den Überseehafen Rostock. Die „Druhsba“- Trasse wurde in den Siebzigerjahren Vorbild für den Bau der Erdgastrasse aus Sibirien nach Westeuropa . Allerdings schickte die DDR dafür zehntausende junge Arbeiter in die Sowjetunion – während die Erdölleitung „Freundschaft“ noch kein internationales Bauprojekt war. Die „Drushba“ liegt heute rund drei bis vier Meter unter der Erde und durchquert auf der Höhe von Schwedt die Oder. Ste.

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