Pjöngjang : Nordkorea hat Atomreaktor abgeschaltet

Nordkorea hat nach Angaben des US-Außenministeriums seinen Atomreaktor Yongbyon abgeschaltet. Damit geht das verarmte kommunistische Land offenbar auf Bedingungen für die Lieferung von Öl ein, die in den Sechs-Nationen-Gesprächen vereinbart worden waren.

Washington/Pjöngjang/PekingNordkorea hat nach eigenen Angaben seinen umstrittenen Atomreaktor in Yongbyon abgeschaltet. Wie ein Sprecher des US-Außenministeriums sagte, habe die US-Regierung eine entsprechende Mitteilung der nordkoreanischen Regierung erhalten. "Wir begrüßen diese Entwicklung und freuen uns auf eine Bestätigung und Beobachtung dieser Schließung durch das Team der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)", hieß es einer Erklärung des US- Außenministeriums. Ein Expertenteam der IAEA ist in Nordkorea eingetroffen, um die Abschaltung zu überwachen.

Der erste Teil einer Lieferung von insgesamt 50.000 Tonnen schweren Heizöls aus Südkorea ist bereits im nordkoreanischen Hafen Sonbong eingetroffen. Das Heizöl ist Teil umfangreicher Hilfslieferungen, die das unter Energiemangel leidende Land im Gegenzug für das Herunterfahren des Reaktors erhalten soll. Nachdem am Samstag zunächst 6200 Tonnen geliefert wurden, soll am Montag eine weitere Schiffsladung mit 7500 Tonnen von Südkorea aus auf den Weg gebracht werden. Bis Anfang August soll die gesamte Lieferung abgeschlossen sein. Nordkorea hatte in Aussicht gestellt, nach der Ankunft der ersten Ladung die Anlage wie vereinbart stillzulegen.

Wirtschaftshilfe für Beendigung des Atomprogramms

Die IAEA-Experten wollen in den kommenden zwei Wochen Kameras und andere Ausrüstung zur Überwachung der Schließung und Versiegelung der Atomanlage installieren. Danach sollen zwei Inspekteure ständig vor Ort bleiben.

Nordkorea hatte im Februar im Rahmen der Sechs-Parteien-Gespräche zugesagt, seine Atomanlage bis Mitte April zu schließen, die Frist aber wegen eines Streits um eingefrorene nordkoreanische Gelder in einer Bank in Macao und amerikanische Finanzsanktionen verstreichen lassen. Mit der Überweisung der 25 Millionen US-Dollar aus Macao über Russland an Nordkorea wurde Ende Juni der Weg frei für die Einhaltung des Abkommens und neue Verhandlungen. Am Mittwoch werden in Peking neue Sechser-Gespräche aufgenommen. Neben Nordkorea und den USA nehmen auch China, Südkorea, Japan und Russland daran teil.

Für eine vollständige atomare Abrüstung winken dem verarmten und unter Hunger leidenden stalinistischen Staat umfangreiche Energie- und Wirtschaftshilfen, Sicherheitsgarantien und eine Normalisierung der Beziehungen zu den USA. Doch sind viele Punkte noch strittig. Unter anderem werden Probleme erwartet, wenn Nordkorea sein ganzes Atomprogramm enthüllen oder seine Atomwaffen aufgeben soll. Umstritten ist auch Nordkoreas Forderung nach einem Leichtwasserreaktor zur Stromerzeugung. (mit dpa)