Der Tagesspiegel : Pläne für Havelausbau werden weiter reduziert

Wasserstraßenamt beugt sich dem Protest von Naturschützern und Bürgerinitiativen. Auch die Glienicker Brücke bleibt unverändert

Claus-Dieter Steyer

Ketzin. Der Widerstand gegen den Ausbau der Havel für große Europaschiffe hat einen weiteren Erfolg errungen. Auf dem Abschnitt zwischen Potsdam und der Stadt Brandenburg/Havel werden die Eingriffe in die Natur nach Angaben des Wasserstraßen-Neubauamtes gegenüber den ursprünglichen Planungen teilweise stark reduziert. Nur noch „mit äußerster Behutsamkeit“ werde die Wasserstraße im Rahmen des „Verkehrsprojektes 17“ für 185 Meter lange Europaschiffe erweitert, teilte der Chef des Amtes, Hans-Jürgen Heymann, am gestrigen Donnerstag in Ketzin mit.

Auch die Glienicker Brücke soll auf absehbare Zeit nicht verändert werden. Ihre Höhe reicht zwar für voll beladene Containerschiffe nicht aus. Aber man beuge sich dem Protest der Denkmalschützer und vieler Einwohner Berlins und Potsdams gegen eine Höhersetzung des historischen Bauwerks, erklärte Heymann. Jetzt werde gewartet, bis die Materialermüdung einen völligen Neubau erforderlich mache. Das könne noch viele Jahre dauern.

An der Havel wird es am so genannten Deetzer Knie auf halber Strecke zwischen Potsdam und der Stadt Brandenburg keinen Durchstich geben. Neue mathematische Modelle hätten ergeben, dass der bestehende Kurvenradius für die Begegnung selbst von 185 Meter langen Schiffen ausreicht, sagte Heymann. Die jetzt verkehrenden Lastkähne von maximal 156 Meter Länge haben in dem Abschnitt ohnehin keine Probleme. Ursprünglich sollte die Flussbiegung durch einen rund 180 Meter langen Kanal ersetzt werden. Große Flächen der durch die Havel seit Jahrhunderten geprägten Landschaft wären abgebaggert worden. Seit Jahren hatte dieses Vorhaben heftige Proteste von Naturschutzverbänden und Bürgerinitiativen ausgelöst. „Ohne diesen Widerstand hätten wir unsere ursprünglichen Ausbaupläne wahrscheinlich durchgezogen“, räumte die für das Havelprojekt zuständige Ingenieurin Ingrid Hanke ein. „Beim Blick auf die Landkarte kam für uns nur ein gerader Durchstich infrage. Auch wir lernen aber dazu und haben jetzt auf neue Berechnungen der Bundesanstalt für Wasserbau zurückgreifen können.“ Diese zeigten, dass der vorgeschriebene Sicherheitsabstand von zwei Metern zwischen den Schiffen selbst in der Kurve eingehalten werden kann.

Auch an anderen Abschnitten sind die eigentlich beabsichtigten Eingriffe in die Ufer dank neuer Analysen erheblich verkleinert worden. Jetzt sollen die Uferflächen nur noch an drei Stellen auf insgesamt rund 1400 Meter Länge abgegraben werden: am Dammgraben bei Ketzin, bei Klein Kreutz und bei Wust kurz vor Brandenburg. Der größte Eingriff soll am Dammgraben erfolgen. Hier sehen die Pläne eine Verbreiterung des Flusslaufes um bis zu 22 Meter vor.

Zu dem überraschenden Sinneswandel bei den Planern hat neben dem Widerstand von Naturschützern wohl auch der Rückgang der Binnenschifffahrt im Osten beigetragen. „Die Bedingungen für die Schifffahrt haben sich gerade auf der Havel im vergangenen Jahrzehnt verschlechtert“, sagte Heymann. In Hinblick auf das Verkehrsprojekt 17 sei die Instandhaltung verringert worden. Dadurch sei die Wassertiefe von vier Metern auf 3,20 Meter zurückgegangen, weshalb Lastschiffe nicht mehr voll beladen werden können und sich die Route für viele Binnenschiffer nicht mehr lohnt. Heymann nimmt aber an, dass sich dieser Trend bei einer ausgebauten Wasserstraße nicht zuletzt dank der EU-Osterweiterung wieder umkehren wird. Allerdings rechnet er lediglich mit maximal drei Europaschiffen, die künftig in einer Woche in jeder Richtung zwischen Brandenburg und Potsdam unterwegs sein werden.

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