Der Tagesspiegel : Platzeck staucht seine Berater zusammen

SPD-Landeschef rüffelt Redaktion von Parteiblatt für Angriff auf Kurt Beck

Thorsten Metzner

Potsdam - Der Angriff auf SPD-Parteichef Kurt Beck in einer Brandenburger Parteizeitschrift ist von Matthias Platzeck deutlich gerügt worden. „Ich hätte mir von der Redaktion mehr politisches Fingerspitzengefühl gewünscht“, sagte SPD-Landeschef und Ministerpräsident Platzeck, der Becks Vorgänger an der Spitze der Bundespartei war. Wie berichtet, hat die Brandenburger SPD-Zeitschrift „Perspektive 21“ einen Artikel des Star-DJs Paul van Dyk veröffentlicht, in dem Becks Politik scharf angegriffen wird. „Ich habe meine Meinung dazu sehr, sehr deutlich zum Ausdruck gebracht“, sagte Platzeck. Er wies zugleich Spekulationen zurück, dass Brandenburgs SPD Wahlkampf in Abgrenzung zur Bundespartei führen wolle. „Es gibt nur eine SPD“, sagte Platzeck. Beck werde im Kommunalwahlkampf mehrfach in Brandenburg auftreten.

In dem prominent platzierten Beitrag nennt Paul van Dyk Beck einen „Falschfahrer“, wirft ihm Konzeptionslosigkeit und Stagnation vor – und überlegt, ob ein Sieg von CDU und FDP bei der Bundestagswahl 2009 vielleicht besser wäre: „Damit die SPD endlich aufwacht.“

Platzecks öffentliche Rüge für die Veröffentlichung trifft seinen engsten Beraterkreis. Die Redaktion der „Perspektive 21“ gilt auch als seine Denkfabrik. Das Blatt wird von Generalsekretär Klaus Ness verantwortet, Chefredakteur ist Thomas Kralinski, zugleich Geschäftsführer der Landtagsfraktion. Zur Redaktion gehört auch Tobias Dürr, Stratege und Redenschreiber Platzecks und zugleich Chefredakteur der „Berliner Republik“, die als Sprachrohr der „Netzwerker“, des Reformflügels in der Bundes-SPD, gilt.

Deshalb will mancher Genosse nicht an eine Panne glauben. „Das ist kein Debattenbeitrag, sondern eine böse, aggressive, unsachliche Polemik gegen den Parteivorsitzenden“, sagt etwa der SPD-Landtagsabgeordnete Jens Klocksin. Als Brandenburger Sozialdemokrat „schäme“ er sich dafür.

Für Platzeck aber ist der Fall mit dem Rüffel erledigt. Zu Dyks Beitrag sagte er: „Ich bin anderer Meinung. Das weiß auch Kurt Beck.“ Thorsten Metzner

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