Der Tagesspiegel : Platzeck vor der Wahl: Ein Mann soll nach oben

Die Mehrheit der Brandenburger wünscht dem Ministerpräsidenten größere Bedeutung in der Bundespolitik – aber der ziert sich noch

Michael Mara

Potsdam - Welche Rolle wird Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) nach der Wahl am 18. September in der Bundespolitik spielen? Die Frage drängt sich schon deshalb auf, weil in der SPD ein Generationswechsel ansteht. Es gilt als unwahrscheinlich, dass Gerhard Schröder noch einmal zum Bundeskanzler gewählt wird. Und auch die Tage von Franz Müntefering könnten nach der zu erwartenden Wahlniederlage der SPD gezählt sein.

Klar ist bereits, dass Platzeck in der geschwächten SPD mittlerweile als Hoffnungsträger gilt, erst recht, seit er im letzten Herbst gegen den Bundestrend die Landtagswahl in Brandenburg gewonnen hat. Nicht ohne Grund legt der Kanzler größten Wert darauf, dass Platzeck – seit kurzem auch Chef des „Forums Ost“ der SPD – ihn bei möglichst vielen Wahlkampfauftritten im Osten begleitet, so gestern in Magdeburg. Denn der 51-Jährige wird über Parteigrenzen hinweg zunehmend als „Stimme des Ostens“ anerkannt.

Was aber erwarten die Ostdeutschen von Platzeck? Eine aufschlussreiche Antwort gibt die jüngste Umfrage von Infratest-Dimap zur politischen Stimmung in Brandenburg: 56 Prozent der Brandenburger finden, dass Platzeck „künftig eine stärkere Rolle in der Bundespolitik“ spielen sollte. Bei den SPD-Anhängern sind es 67, auch bei den Anhängern der Linkspartei/PDS stolze 60 Prozent. Sogar jeder zweite CDU-Wähler wünscht sich mehr bundespolitischen Einfluss von Platzeck. Diese Zahlen gewinnen noch an Gewicht, wenn man bedenkt, dass eine Mehrheit der Berliner, nämlich 61 Prozent, eine stärkere Rolle ihres Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) in der Bundespolitik ablehnt. Er solle sich auf Berlin konzentrieren.

Dass es bei Platzeck umgekehrt ist, führen seine Genossen vor allem darauf zurück, dass Platzeck „ostdeutsche Gefühlswelten aufnimmt und als Stimme des Ostens glaubwürdig ist“. Das bestreitet nicht einmal Linkspartei- Chef Lothar Bisky: Platzeck mache das sogar besser als sein Vorgänger, der langjährige Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD). Und schon von diesem hätten sich die Brandenburger mehr bundespolitischen Einfluss gewünscht.

Bisky hat auch eine Erklärung dafür, dass selbst 60 Prozent der Anhänger seiner Partei sich wünschen, dass Platzeck auf Bundesebene stärker mitmischt: „Sie wissen, dass wir in die Opposition gehen. Deshalb meinen sie, dass es nicht schlecht wäre, wenn Brandenburg und Platzeck im Bund eine größere Rolle spielen würden.“

Keine Antwort gibt die Umfrage jedoch darauf, wie der Einfluss Platzecks in der Bundespolitik konkret aussehen soll. Manch Genosse meint, dass er sich nicht nur als „Stimme des Ostens“ profilieren, sondern auch bei der anstehenden Erneuerung der SPD-Spitze Ehrgeiz entwickeln sollte. Der Bundestagsabgeordnete Peter Danckert etwa stellt sich zwei Etappen vor: „Zunächst sollte Platzeck stellvertretender Parteichef werden.“ Die Mehrheit der Brandenburger würde es nicht gern sehen, wenn er nach dem 18. September als Minister ins Bundeskabinett ginge, sagt Danckert – was Platzeck ohnehin ausgeschlossen hat. In einem zweiten Schritt sollte er dann „eine herausgehobene Rolle“ in der SPD übernehmen, indem er einer von vielleicht zwei Anwärtern für die Kanzlerkandidatur 2009 würde.

Platzeck selbst winkt bei solchen Spekulationen noch ab: „Ich definiere mich aus Brandenburg heraus.“ Dass manche ihm mangelnden bundespolitischen Ehrgeiz vorwerfen, störe ihn nicht: Als einer der wenigen verbliebenen SPD-Ministerpräsidenten habe er schließlich erheblichen Einfluss in der Partei. Dennoch will Platzeck die Rolle, die die Brandenburger von ihm erwarten, annehmen: Als Chef des Forums Ost der SPD werde er sich künftig „stärker einmischen“, sagt er. „Wir wollen es zu einem Forum für Deutschland machen.“

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