Polen : Deutschlands erster Gegner bleibt cool

Ob die jüngsten Entwicklungen im polnischen Korruptionsskandal oder der Dauerregen im EM-Quartier - Polens Fußball-Nationalcoach Leo Beenhakker ließ sich vier Tage vor dem Duell gegen Deutschland durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Viel zu fokussiert ist der 65 Jahre alte Trainer-Fuchs vor der mit Spannung erwarteten polnischen EM-Premiere.

Beenhakker
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Bad Waltersdorf/WarschauDer frühere Dortmunder Ebi Smolarek ist vor dem Wiedersehen mit seinen früheren Bundesliga-Kollegen jedenfalls optimistisch. "Wir haben viele wichtige Spiele gewonnen, warum sollten wir die Deutschen nicht besiegen? Wir haben keine Angst und das ist wichtig", erklärte Smolarek, der mit neun Treffern wesentlichen Anteil an der erfolgreichen EM-Qualifikation hatte.

Dabei stand der Mittwoch, bei dem vor allem Standardsituationen eingeübt werden sollten, unter keinem guten Stern. Im EM-Domizil in Bad Waltersdorf goss es in Strömen, so dass die zweite Übungseinheit für den Abend abgesagt wurde. In der Heimat wurde im Zuge des Fußball-Korruptionsskandals nach Angaben der polnischen Nachrichtenagentur PAP der Sohn von Jerzy Engel, der die Nationalelf von 2000 bis 2002 betreut und zur WM nach Japan und Südkorea geführt hatte, festgenommen.

Vor dem Deutschlandspiel zu Scherzen aufgelegt

Doch der guten Laune von Beenhakker konnte all dies nichts anhaben. Der Niederländer bewahrte trotz der Widrigkeiten seinen Humor: "In Holland sagt man: Um sicherzugehen, dass man Deutschland geschlagen hat, muss man sie bis in den Bus verfolgen. Davor hat man das Spiel nicht gewonnen", scherzte der Niederländer vor dem Spiel gegen die DFB-Auswahl.

Zumindest die personelle Situation darf Beenhakker auch froh stimmen. Erstmals seit Beginn der EM-Vorbereitung Mitte Mai stehen ihm alle Akteure uneingeschränkt zur Verfügung. Auch der Dortmunder Jakub Blaszczykowski, der am Vortag nach langer Zwangspause (Oberschenkelzerrung) wieder mittrainiert hatte, ist fit und könnte sogar am Sonntag zum Einsatz kommen. "Er ist von seiner Verletzung voll genesen", sagte Beenhakker über den Flügelspieler.

"Wir werden es den Deutschen heimzahlen"

Während der 65-Jährige von einer Revanche für das 0:1 bei der WM 2006 nichts wissen will, haben seine Profis den bitteren K.o. von Dortmund noch im Hinterkopf. Dementsprechend motiviert gibt sich Mannschaftskapitän Maciej Zurawski: "Wir werden es den Deutschen heimzahlen, damit die Fans an uns glauben."

Beenhakker indes kommen derart kampfeslustige Aussagen nicht über die Lippen. Der gewiefte Taktiker kann dem medialen Dauerfeuer, das diese Partie in beiden Ländern teilweise begleitet, ohnehin nichts abgewinnen. "Ich lese keine polnischen und deutschen Zeitungen. Was im Umfeld passiert ist mir egal", erklärte Beenhakker, der auch seine Spieler warnte: "Ab dem Moment, wo wir emotional werden, ist das schlecht."

Korruptions-Ärger in Polen

Während die Nationalmannschaft in Österreich hinter verschlossen Türen trainierte, krachte es in der Heimat. Beamte des Zentralen Antikorruptionsamtes (CBS) nahmen den 29 Jahre alten Engel fest, der unter anderem den Drittligisten Radomiak betreut hatte. Zuletzt hatte er sich vergeblich um den Posten als Beenhakker-Assistent beworben. Insgesamt wurden seit 2005 bei Ermittlungen gegen Sportfunktionäre, Schiedsrichter, Trainer und Spieler mehr als 120 Verdächtige festgenommen. Sie sollen Schmiergelder kassiert und Spiele manipuliert haben.

Getreu Beenhakkers Maxime "Meine Rolle ist es, den Prozess der Vorbereitung auf die EM zu schützen und aus dieser Situation herauszuhalten", wurde der Skandal in Bad Waltersdorf von den Spielern nicht thematisiert. Zuvor hatte bereits der Wolfsburger Jacek Krzynowek erklärt, dass er sich darüber keine Gedanken mache. Ex-Nationaltorhüter Jan Tomaszewski glaubt dagegen, dass der Skandal das Nationalteam in der EM-Vorbereitung belastet: Die Spieler des deutschen Auftaktgegners würden die Skandale doch "den ganzen Tag" lesen, sagte der frühere Keeper der "Sport Bild". (sba/dpa)