Politik : ... alle auf Reinhardtsdorf blicken

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Heute ist der Tag, an dem es in einigen Orten des deutschen Ostens einen kleinen Aufschwung gibt, zum Beispiel in ReinhardtsdorfSchöna. Reinhardtsdorf, 1600 Einwohner, liegt in 281 Meter Höhe, dort, wo die Sächsische Schweiz besonders bezaubernd ist. In Reinhardtsdorf hat die NPD 23 Prozent gekriegt, Rekord, die SPD liegt knapp über 5 Prozent, die Wahlbeteiligung war recht hoch. Jetzt werden Journalisten und Drehteams dorthin fahren, um das Phänomen Reinhardtsdorf zu erklären, und die Gasthöfe, die häufig leer stehen, obwohl auch sie wunderschön sind, werden ausnahmsweise mal Kasse machen.

Dabei weiß man schon einiges über Reinhardtsdorf. Bei den letzten Wahlen hatte die NPD dort auch schon Rekordergebnisse, die Journalisten waren auch damals schon da. Man weiß, dass die NPDler im Ort angesehene Leute sind, zum Beispiel der Klempnermeister Jacobi, der auch sonntags kommt, wenn das Klo verstopft ist, und der früher bei den Freien Wählern war. Man weiß, dass oft Väter und Söhne gemeinsam rechtsradikal sind, der Vater sitzt dann im Anzug für die NPD im Parlament, der Sohn macht in Bomberjacke Jagd auf Ausländer. Die jüngeren Jungs spielen als Germanen verkleidet im Wald manchmal Hermannsschlacht. Mutti wäscht die Hakenkreuzfahne und hängt sie im Garten auf die Wäscheleine. Das sind alles bezeugte Beobachtungen! Die Ausländerjagd ist übrigens extrem schwierig, denn in der Gegend gibt es fast keine Ausländer. Die sind längst alle abgereist.

Allein der Kunstrasen auf dem Fußballplatz hat 500 000 Euro gekostet, noch ist die Wirtschaftslage in R. erträglich. Noch! Ein für seine Fremdenfeindlichkeit berühmter Touristenort, das ist wie eine Metzgerei, die von wütenden Vegetariern geführt wird. Reinhardtsdorf, du begehst ökonomisch Selbstmord, aber keiner hat Mitleid. Andererseits ist ein Interesse an Nazithemen beim Publikum natürlich vorhanden, das sieht man an dem Film „Der Untergang" und beim Tourismus am Obersalzberg. Man sollte vielleicht einen Teil von Reinhardtsdorf zum „Nazi-Park" erklären, einen Zaun drum herum ziehen, ab und zu gibt es durch den Ort Safarifahrten im Jeep, für Touristen, begleitet von bewaffneten Rangern. Dann sind die Gasthöfe sicher voll. Einer muss sich die Haut braun schminken, eine schwarze Perücke aufsetzen und den Ausländer spielen, echte Ausländer gibt es im Nazi-Park ja nicht. Das wäre, weil man oft Prügel kriegt, ein extrem schwieriger Job. Genau das Richtige für den besten Mann im Ort, für Klempnermeister Jacobi.mrt

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