Politik : … alles schön ist

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Frühmorgens in deutschen Büros.

„Morjn.“

„Was soll denn an dem Morgen gut sein?“

„Hab ich was von guten Morgen gesagt?“

„Eben. Da ist nichts gut dran.“

Das ist nur ein fiktives Beispiel, das uns zeigen soll, was in Deutschland schief läuft. Wirtschaft – das ist zu 95 Prozent Psychologie. Hat sich ein ganzes Land entschlossen, bis zum Abwinken zu muffeln und zu jammern, dann können Politiker und Bosse noch so strampeln, das Land bleibt in der Depression stecken, bis die Heuschrecken den Rest erledigen. Positiv denken – das kennen wir ja im Grunde nur noch in der Variante „HIV-positiv“.

Aber all das bedeutet: Man kann die Lage ändern, wenn man sich nur anstrengt! Es müsste nur mal einer anfangen, die Stimmung umzudrehen. Warum nicht die Leute von „Nutzwerk“ in Leipzig? Die kleine Software-Firma schreibt es ihren 16 Mitarbeitern offiziell und unzweideutig in den Arbeitsvertrag: „Meckern und jammern verboten.“ Das ist mehr als ein Appell, denn die Grundregel lautet: Wer zwei Mal meckert, fliegt. Und diese Regel ist bereits zwei Mal angewendet worden – jedenfalls behauptet das eine US-Beratungsfirma, die uns zum Jahresende ihre Liste der „zehn unglaublichsten Arbeitsplatz-Ereignisse“ vorlegt. Daraus erfahren wir etwa, dass Chrysler in Kokomo, Indiana seine Werksparkplätze überwiegend für Chrysler-Autos reserviert und Fremdfabrikate 50 Meilen nach Indianapolis abschleppen lässt. Oder dass eine Bibliothekarin gefeuert wurde, weil sie zu lange versucht hatte, ein Eichhörnchen aus einer Zwischendecke der Bücherei zu befreien.

Aber es stehen eben auch die Meckerer aus Leipzig in der Liste. Dabei sehen wir sie ja richtig vor uns. „Verdammte Scheißkiste!“, wird einer geflucht haben, als wieder mal das selbst gebaute Programm abstürzte – prompt war die kreative Stimmung der Kollegen im Keller. Dann gab es in der Kantine schon wieder Quarkkeulchen, er stöhnte „Schlangenfraß!“, die anderen würgten, statt wohlgesättigt weiter zu programmieren, er machte noch eine abfällige Bemerkung übers Wetter – und das war’s, Papiere abholen, tschüss.

In Zukunft machen wir es also bitte so: „Guten Morgen!“

„Ebenfalls guten Morgen!“

„Ein schöner Tag.“

„Wunderschön. Und die tolle Arbeit!“

Na, also, Deutschland. Geht doch. bm

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