Politik : … alles untergraben wird

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Die Tage, sie rasen nur so dahin. Das Fieber steigt. Spürbar. Nun ist es wirklich nicht mehr lang bis zum großen Ereignis – richtig: Die Olympischen Spiele in Peking stehen praktisch vor der Tür. Nicht ohne Grund war die Bundeskanzlerin gerade drüben. Wahrscheinlich hat sich Angela Merkel, instinktsicher wie sie ist, bei ihrem Besuch im Reich der Mitte hinter verschlossenen Türen und mit Verweis auf die Menschenrechte („Freier Zugang zu Sportveranstaltungen und so …“) längst ein paar Karten gesichert, für das Finale am Stufenbarren etwa, oder für die spannenden Vorläufe bei den Kanuten.

Das heißt, natürlich nur für den Fall, dass die Olympischen Spiele überhaupt stattfinden. Beunruhigende Meldungen kommen da aus Fernost. Eine Motten- und Termitenplage sucht derzeit Chinas Hauptstadt heim. Alles wird untergraben, buchstäblich, und damit womöglich auch die Bemühungen des Landes, sich 2008 der skeptischen Welt als freundlicher Gastgeber präsentieren zu können. Wenn die lieben Tierchen mit dem Eierlegen (respektable 200 Millionen pro Motte) und ihren Grabungsarbeiten so weitermachen, dann könnten sie sogar die Spiele gefährden, zitieren Zeitungen einen Behördenmitarbeiter, der wegen der Brisanz seiner Aussage selbstredend anonym bleiben will.

Nur ein Wichtigtuer? Hoffentlich! Man möchte das Szenario nicht zu Ende denken, und es ist beileibe kein Trost, dass der Chinese ob seines immensen Fleißes und seines massenhaften Auftretens früher gelegentlich selbst mit einer Ameise verglichen wurde. Genau genommen sogar: im Gegenteil.

In Brüssel werden nächste Woche die beiden Comicfiguren Tim und Struppi mit dem „Light of Truth Award“ ausgezeichnet – und wer nun denkt, Donnerwetter, das ist aber mal ein abrupter Übergang, gut, der hat schon Recht, verkennt andererseits aber die Zusammenhänge, die in unserer globalisierten Welt einfach existieren. Der „Light of Truth Award“ ist nämlich der wertvollste Preis, der für die Förderung des Verständnisses der tibetanischen Kultur verliehen wird. Der Dalai Lama wird eigens nach Brüssel kommen, um das Engagement der beiden Zeichentrickhelden zu würdigen, die nun immerhin schon seit 1960 völkerverständnisvoll im Band „Tim in Tibet“ zugange sind. Anerkannt wird auch, wie 2001 verhindert wurde, dass in China das Heft unter dem Titel „Tim und Struppi im chinesischen Tibet“ erscheinen konnte. Man sieht daran: Die Politik sucht sich ihre Symbolik, wo sie sie finden kann. Mal abwarten, wer 2008 zum Jahr der Termite ausruft. Vbn

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