Politik : ...Bond bürgerlich wird

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Vom Pandabären weiß man, dass er ein behäbiges Tier ist. Am Tag frisst so ein Pandabär bis zu 30 Kilogramm Bambus. Mitunter nimmt er sich dazu 14 Stunden Zeit. Damit es etwas schneller geht, ist ihm an der Vorderpfote ein kleiner sechster Finger gewachsen.

Womit wir bei James Bond sind. Der nimmt sich mitunter auch 14 Stunden Zeit, um das BondGirl zu vernaschen. Damit es auf dem Hinweg etwas schneller geht, durfte Bond Ford Thunderbird fahren. Oder den Z3-Roadster. Oder einen Jaguar. Oder einen Aston Martin. Oder einen Lotus Esprit. Und einmal, „In tödlicher Mission“, sogar einen Citroen 2CV. Aber der war nur gekapert und nach Flug, Fahrt und Sprung mit James Bond Schrott.

In engem Verwandtschaftsverhältnis zum Citroen 2CV, auch „Ente“ genannt, steht der Fiat Panda. Der Fiat Panda ist hässlicher als die Ente es je war, aber er ist genauso billig, er ist ebenfalls unvollkommen, lahm und auch dauernd kaputt. Das Auto für den Studenten, für die höhere Tochter nach bestandenem Abitur, für Menschen mit viel Zeit. Rentner, zum Beispiel, würden prima Panda-Fahrer abgeben.

James Bond hat keine Zeit. Er muss Bond-Girls vernaschen und die Welt retten. Auch im Herbst, wenn „Casino Royale“ in die Kinos kommt. Er wird dies – man ahnt es wahrscheinlich schon und wagt es dennoch nicht zu denken –, er wird dies im Fiat Panda tun. Die Turiner Autobauer haben es in diesen Tagen verkündet: Das neue Dienstauto von Commander Bond ist ein Panda.

Warum bloß? Ist das MI6, Bonds oberste Dienststelle, klamm? Hat Bond endlich Miss Moneypenny, die Lady aus dem Vorzimmer, geheiratet und muss jetzt sparen? Sind Kinder unterwegs? Wird Bond behäbig wie der Pandabär? Nur ohne sechsten Finger? Bond bürgerlich – die Botschaft dahinter ist noch nicht entschlüsselt.

Zuletzt war Pierce Brosnan James Bond. Brosnan im Smoking und im Fiat Panda ist schwer vorstellbar. Wer dann? Hugh Grant vielleicht. Er ist etwas jung für Miss Moneypenny, aber Gott, wo die Liebe hinfällt. Den Schwiegersohn, der Pandas Spitzengeschwindigkeit von 145 km/h bereits für ein angstschweißtreibendes Wagnis hält, bekäme er gut hin. Aber Grant gegen die Welt?

Besser würde Roberto Benigni in den Panda passen. Den wirft nichts um, der sagt auch noch in widrigsten Zeitläuften: „Das Leben ist schön.“ Wahrscheinlich ist es so: Benigni hat Moneypenny geehelicht. Die blasse Moneypenny zieht es ins Retiro unter die Sonne Italiens. Bond hat den Dienst quittiert und zieht jetzt Bambus hoch. Die Welt ist eh nicht mehr zu retten.uem

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