Politik : … Bush aus dem Schulbuch fliegt

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Ehrlicherweise muss man sagen, dass hier zu Lande praktisch kein Mensch auch nur irgendeinen Finnen kennt oder gar gleich ein paar davon – was man getrost als Beispiel dafür ansehen darf, wie ungerecht es doch manchmal auf der Welt zugeht. Obwohl das Land, Finnland, spätestens seit seinem formidablen Abschneiden in der Pisa-Studie – hohe Lesekompetenz, vermutlich zurückzuführen auf die langen, kalten Winterabende – allenthalben als Vorbild für pädagogisch sinnvollen Umgang mit dem Nachwuchs hervorgehoben wird, gilt der Finne an sich als weithin unbekanntes Wesen. Immerhin, so viel ist sicher: Auffällig wird er praktisch nur im Winter. Dann rennt der Finne vorzugsweise auf Langlaufskiern umher und wenn es dunkel wird oder an Wochenenden und insbesondere, wenn es an Wochenenden dunkel wird, nimmt er sehr gerne einen, weswegen er sich regelmäßig mit der Schnellfähre über die Ostsee ins estnische Tallinn begibt, weil dort der Alkohol billiger ist.

Bestimmt ist das nur ein Klischee, weswegen sich ein Blick in einschlägige Schulbücher sicher lohnen täte, allein schon, um auf diese Weise zu erfahren, dass es natürlich „lohnte“ heißen müsste. In Schweden hat man genau aus diesem Grunde nun 21 Schulbücher untersucht. Um es vorwegzunehmen: Richtig doll schneidet der Finne da allerdings nicht ab. Gut, die Sache mit den Langlaufskiern wird nicht so ausgebreitet, aber das ist noch das Geringste. Im schwedischen Schulbuch nämlich ist der Finne in der Regel schlecht ausgebildet, nimmt gerne Rauschgift, stirbt früh, und wenn, dann nicht selten eines gewaltsamen Todes. Streng genommen müsste bei den Schweden das Finnlandbild mal überarbeitet werden, und am besten wäre es, man finge mit einer Untersuchungskommission an, die im Bildungsministerium herausfinden müsste, wer für die finnlandfeindlichen Texte eigentlich verantwortlich ist.

Vielleicht lohnt es sich dieserhalb einen Blick nach, ja, Pakistan zu werfen, wo man generell sensibler im Umgang mit dem gedruckten Wort zu sein scheint, zumal dann, wenn es sich in einem Schulbuch befindet. In Pakistan wurde jetzt in einem Englisch-Buch für die 11.Klasse nämlich inmitten allerlei Weltliteratur auch eine Ode an George W. Bush entdeckt. Der Verfasser ist (noch) unbekannt. Der Verantwortliche auch. Besser für beide, sie schauten sich schon mal nach einem Plätzchen im Exil um. Finnland soll gar nicht so übel sein. Vbn

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