Politik : ...Chinas Polizisten zocken

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Es wird ja gerade ein bisschen Wind gemacht in China, wegen George W. Bush und Taiwan und der Sache mit der Demokratie und so. Aber, ganz ehrlich, das ist natürlich nur Getöse für die Galerie. In der Volksrepublik nämlich hat man längst kapiert, dass von den USA lernen siegen lernen heißt, siehe Irak, zum Beispiel. Gut, in Peking gibt man das alles vielleicht nun nicht so direkt zu.

Wo waren wir gerade? Ah, Irak! Klar, hartes Durchgreifen gefällt dem Chinesen von je, das kennt man. Wie auch sonst? Wilder Westen, freies Land, das Recht des Stärkeren und mal was aufs Maul – nur bei Bedarf, versteht sich, dann aber darf’s auch gern mal ein bisschen mehr sein. In chinesischen Kinos soll ja der Western früher sehr beliebt gewesen sein. Als Antwort darauf wurde im Reich der Mitte der Eastern kreiert: Wilder Osten, viel aufs Maul, gerne auch ein bisschen mehr, und das Ganze auf Kung Fu getrimmt, damit am Ende der Schurke auf der Strecke bleibt, nicht aber die Tradition.

Zu einem vernünftigen Western, das hatten sie in China bisher leider übersehen, gehört eine anständige Partie Poker, an deren Ende man meistens erkennen kann, wer denn nun der Gute und wer der Böse ist. Im richtigen Leben – deshalb vorhin die Erwähnung des Iraks – haben die Amis die Methode ein wenig, wie soll man sagen, verfeinert. Im Irak haben sie seinerzeit Kartenspiele mit den Konterfeis von Saddam und seinen Spießgesellen verteilen lassen. Dort konnte man dann schon auf der Karte erkennen, wer der Böse ist.

Effektiv war’s ja. Angeblich soll ein Teehausbesitzer in Falludscha entscheidend zum Fahndungserfolg beigetragen haben, nachdem er mit einem Full House einen GI um seinen Wehrsold gebracht hatte. Als der darauf wutentbrannt die Karten auf den Tisch schmiss, sagte der Teehausbesitzer, dabei auf das Pik-Ass deutend: „Den kenn ich, der sitzt zwei Ecken weiter in so einem komischen Erdloch, ich weiß auch nicht, warum.“ Im Loch war Saddam.

In China machen sie das nun auch so. In der Stadt Xinyang haben gerade Polizeibeamte 500000 Kartenspiele mit den Gesichtern der 16 meistgesuchten Schurken an Bahnreisende verteilt. Vorher in Druck gegebene Plakate hatten zu keinem nennenswerten Fahndungserfolg geführt, auch deshalb, weil sie sich nicht mit den Kampagnen zur Stadtverschönerung vertrugen und von eifrigen Putzkolonnen postwendend wieder abgeschrubbt wurden.

Die Verbrecher verschwanden aus den Augen. Und aus dem Sinn. Wer aber vergisst nach einem aufregenden Zock schon das entscheidende Full House? Vbn

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