Politik : … das Bier knapp wird

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Biertrinker werden bei der Fußball-Weltmeisterschaft nicht registriert. Noch einmal: Sie werden nicht registriert. Man muss das so deutlich sagen. Der Weltverband Fifa ist furchtbar erpicht aufs Regulieren. Denkbar, dass er demnächst auch die Menge des nach Biergenuss abgeschlagenen Wassers normieren will. Es muss alles seine Ordnung haben. Schließlich ist der Chef der Fifa Schweizer.

Das Biergebot der WM lautete so: Pro Nase und Bestellung wird in den Stadien ein Liter Bier ausgeschenkt. Weniger ja, mehr nicht. Man kann auch fünf Mal hintereinander zum Zapfhahn gehen, das ist nicht verboten, kann indes den Blick aufs Spiel trüben. Ein Liter, der verteilt sich beim festgelegten Ausschankvolumen auf zwei Becher. Das ist einerseits praktisch. Üblicherweise holt man sonst im Stadion vier Bier, für die Kumpels gleich mit. Vier Bier in zwei Händen getragen führen immer, aber auch wirklich immer zu Überschüttungen. Das wird nun vermieden. Ohnehin bräuchte man nie mehr als zwei Bier zu holen; mehr als zwei Menschen, die sich kennen und zum Bier einladen, hocken eh nicht beieinander. Das hat jetzt wieder etwas mit dem streng durchregulierten Ticketvergabesystem zu tun.

Andererseits ist die Bierquotierung auch unpraktisch. Bei herkömmlichen Fußballspielen kommen also auf einen Bierholer drei Hockenbleiber. Das sind die, die auf ihren Plätzen hocken bleiben, das Spiel verfolgen und aufs Bier warten. Nach der Fifa-Norm wird es pro Bierholer nur einen Hockenbleiber geben. Vor den Bierverkaufsständen werden sich endlos lange Schlangen bilden, was per se schon nicht schön ist. Schlimmer aber noch: Die Kameras werden, selbst bei ausverkauften Spielen, nur halb gefüllte Ränge zeigen. Die scheinbar spärlich besuchten Stadien sieht dann die Welt und denkt sich, Mensch, guck mal, in Deutschland, da interessiert sich ja kaum einer für Fußball. Das führt dann dazu, dass Investoren aus England, Spanien, Italien oder Brasilien, also aus fußballbegeisterten Ländern, davor zurückschrecken, in Deutschland zu investieren. Auch werden die guten Fußballer aus dem Ausland nicht nach Deutschland in die Bundesliga wechseln. Wer will schon vor halbleeren Rängen spielen? Das führt dann wiederum dazu, dass unser Fußball immer langweiliger wird und am Ende so wie in der Schweiz ist.

Wahrscheinlich ist das der perfide Plan hinter der Norm. Der Schweizer Präsident der Fifa will den deutschen Fußball schwächen. Mit dem Biergebot kann er uns ins Mark treffen. Es gibt aber eine Hoffnung. In den Stadien wird viel amerikanisches Bier ausgeschenkt, Anheuser Busch. Und das ist eher nichts für unsere Kehlen.uem

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