Politik : ...das FBI Leihbücher röntgt

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Heute ist der Tag, an dem wir hin und hergerissen werden zwischen Hoffen und Bangen, was die künftige Sicherheit unserer Freunde, der Vereinigten Staaten von Amerika, angeht. Bekanntlich hat diese Woche das US-Repräsentantenhaus mit 238 zu 187 Stimmen beschlossen, dass Ermittler der Bundespolizei FBI bei der Verfolgung mutmaßlicher Terroristen künftig die Leihregister von Bibliotheken nicht mehr ohne richterlichen Beschluss einsehen dürfen.

Bitte, das mag jetzt auf den ersten Blick gleich ein bisschen lafontainemäßig wirken, also im weitesten Sinne, sagen wir: fremdenskeptisch, aber wahrscheinlich werden demnächst die Dialoge drüben in den FBI-Büros ungefähr so ablaufen:

„Was meinst du, Joe, wollen wir heute mal nachschauen, was Achmed aus Pittsburgh gerade so liest?"

„Ach lass mal, Jim, das ist doch eh nur wieder ein wahnsinniger Papierkram, bis das genehmigt wird. Gehen wir lieber einen Kaffee trinken."

Ja. Rumms. Und zwei Wochen später stellt sich heraus, dass ausgerechnet Achmed aus Pittsburgh doch ziemlich intensiv die Bauanleitungen von Düngemittelflugzeugen (Reihe F 6, das dritte Regal auf der linken Seite) studiert hat. Oder so. Gut, dass der Präsident schon mal mit Veto gedroht hat.

Andererseits, und das ist leider ein wenig untergegangen im Strom der beunruhigenden Nachrichten aus aller Welt, hat US-Justizminister Alberto Gonzales dem Kongress bereits im April berichtet, dass das FBI bislang noch in keinem einzigen Fall bürokratisch ungehemmt und auf eigene Faust in einer Bibliothek nach Terroristen gefahndet hat. Wie, noch nie? Nein, noch nie. Wahrscheinlich waren die Öffnungszeiten der Büchereien meistens so ungünstig, dass sich für die FBI-Agenten kein vernünftiger Termin finden ließ.

Gut, dass es drüben noch ein paar aufmerksame Männer wie Michael Chertoff gibt, den Chef des US-Departement for Homeland Security. Chertoff hat jetzt angekündigt, dass er in diesem Jahr an den US-Flughäfen erste Tests mit der so genannten Backscatter-Röntgentechnik starten will. Wie das funktioniert, das ist zu kompliziert, um es hier zu erklären. Das Resultat aber ist beeindruckend: Die damit gefilzten Personen erscheinen praktischerweise nackt auf dem Prüfbildschirm, man kann also sehr schön sehen, was die Durchleuchteten so unter ihrer Kleidung versteckt haben. Wahrscheinlich wird sich auch beim FBI noch jemand auftreiben lassen, der das interessanter findet, als das Lesen von Leihregistern. Vbn

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