Politik : ... das Gleisbett aufgeschüttelt wird

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Ach, um grad noch mal auf das Thema Religion zurückzukommen: Man kommt ja einfach nicht los davon. Überall Religion! Geschlossene Glaubenssysteme überwölben unseren Alltag sieben Tage und 24 Stunden, es gibt geistliche Gemeinschaften der Freunde des Bartenwalgesangs und jene, die die Erschaffung der Welt durch ein fliegendes Spaghettimonster für möglich halten.

Religion aber manifestiert sich selbst im angeblich so rational geprägten westlichen Wirtschaftsraum – wir verdanken diesen Hinweis dem bekannten Moralphilosophen Hartmut Mehdorn, der am Donnerstag einen innerdeutschen „Religionskrieg“ geortet hat. Die Fronten sind leicht beschrieben: Auf der einen Seite stehen jene, die Bahn und Gleise als unauflösliche Einheit ansehen. Auf der anderen finden wir die Verfechter der Trennung. Sie sind dafür, der Deutschen Bahn die Gleise wegzunehmen und sie in eine bundeseigene Firma zu übernehmen oder, wer weiß, an die auf den Bahamas ansässige Invisible Global Fidelity Inc. zu verhökern. Die könnte sie alsbald nach Heuschreckenart Meter für Meter ausschlachten, den Stahl zu Panzerketten umschmieden, könnte durch Schwellenverkauf zu Dumpingpreisen die Schwellenländer in den Ruin treiben, so in der Art.

Es liegt auf der Hand, dass Mehdorn dann mit seinen ICE-Zügen ziemlich doof im deutschen Gleisbett herumschottern würde. Deshalb ist seine Wortwahl durchaus verständlich, der Religionskrieg um die Gleise absehbare Realität. Wir erinnern nur daran, wie unversöhnlich sich seit Jahrzehnten die Anhänger von Märklin und Fleischmann gegenüberstehen. Und denen geht es nur um Modelleisenbahnen!

Mehdorn hat einen taktischen Vorteil. Er verfügt über die Bahnhofsmission, die die geistliche Dimension der Einheit von Bahn und Gleis um die Welt zu tragen vermag. Doch auch seine Gegner munitionieren sich. Denn wie steht es geschrieben im Buch des Neoliberalismus, Eisenbahnerbrief 2, 17? „Reißt ihre Stellwerke ein, zertrümmert ihre Schranken, verbrennt im Feuer ihre heiligen Info-Points, zerhaut ihre Vorstandssessel und tilgt so ihren Namen!“

Ja, Religionskriege sind kein Deckchensticken. Die Sache wird außer Kontrolle geraten, spätestens, wenn sich Transnet-Posten drohend vor dem Atelier eines Karikaturisten aufstellen, der mit einem böswilligen Mehdorn-Porträt gegen das Bilderverbot der Bahn-Unitaristen verstoßen hat. Nein, keine Zukunftsmusik. Rufen Sie mal testhalber bei der Auskunft der Deutschen Bahn an: Besetzt! Da sind garantiert schon die Trennungsfanatiker drin. bm

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