Politik : ...das Knie eingeschnappt ist

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Als der Hochspringer Carlo Thränhardt noch hoch sprang und nicht in irgendwelchen Dschungelcamps für mittelmäßige Gagen den Outlaw mimte, hat er, vor entscheidenden Wettkämpfen zumal, seine Knie geduzt. Das ist schon ein paar Jahre her und galt seinerzeit als exaltiert, weil man diese gesteigerte Form von gleichsam emotionaler wie funktionaler Körperbetontheit noch nicht kannte.

Knie, wie jedermann sich denken kann, sind für einen Hochspringer recht wichtig. Im Leben sowieso, und im Wettkampf auch. Ohne Knie läuft praktisch nichts, nicht mal, wenn man in, sagen wir: 2,35 Meter Höhe, waagerecht in der Luft liegt. Man muss sie als Hochspringer dann nämlich im entscheidenden Moment gerade gebogen haben, damit die an den Knien befestigten Unterschenkel nicht die Latte herunterreißen. Bei Schulsportfesten ist Letzteres schon in weit geringeren Höhen oft zu besichtigen, wahrscheinlich weil die Jugend, wie üblich, viel zu wenig in ihren Körper hineinhorcht. Wie schnell ist ein sich vernachlässigt fühlendes Knie mal eingeschnappt, bloß weil man ihm nicht freundlich „Guten Morgen“ gewünscht hat. Mehr als 1,60 Meter sind mit eingeschnapptem Knie nicht drin.

Wahrscheinlich hat Ozzy Osbourne in seinem Leben noch nie was von Carlo Thränhardt gehört und Schulsportfeste samt Hochsprungwettkämpfen weiträumig umgangen. Osbourne ist 56. Für einen Rockstar ist das heutzutage kein Alter mehr, für eine späte Karriere als Hochspringer schon. Einen Versuch, besser natürlich: drei, wäre es freilich schon wert, denn Osbourne hat sich jüngst seine Kniescheiben tätowieren lassen. Hochsprungtechnisch gesehen ist das eine geradezu thränhardtmäßige Herangehensweise ans eigene Knie. Links und rechts ist jeweils ein Smiley eingraviert, was den Gesamteindruck des stets gut gelaunten Osbourne nur unterstreicht, jedenfalls, sofern er in kurzen Hosen auftritt.

Ja. Zwei Meter wären spielend drin, ohne Training, nur – so einfach liegen die Dinge nicht. Kürzlich hat Osbourne die wahren Gründe für die Tattoos genannt. „Ich hasse es, allein zu sein. Ich leide unter Einsamkeit.“ Deswegen habe er die zwei Gesichter auf seinen Knien. „Wenn ich die Leute nerve und niemand mehr mit mir spricht, tue ich so, als wären sie lebendig und rede mit ihnen.“

Wer so redet, für den ist Hochsprung nix. Nirgendwo ist man nämlich einsamer als in 2,35 Meter Höhe. Ganz egal, ob das Knie nun gerade grinst oder wieder mal eingeschnappt ist. Vbn

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