Politik : … das Krokodil auftaucht

-

Es ist an dieser Stelle gelegentlich schon darüber geschrieben worden, wie geheimnisvoll es auf der Welt manchmal zugeht. Mal findet sich in abgelegenen, stickstoffhaltigen indonesischen Sümpfen ein Minifisch, den man in dieser Größenordnung dort nie vermutet hätte. Sensation! Mal kehrt man auf der Suche nach einem Staubtuch erfolglos und so was von deprimiert aus dem Keller zurück, obwohl man sich doch sicher war, es dort im Herbst vergangenen Jahres abgelegt zu haben. Fiasko!

Fall A (Sensation) ist zur Abwechslung nun in den USA eingetreten. Kürzlich erst wurde dort nämlich ein ca. 210 Millionen Jahre altes Fossil entdeckt, bei dem es sich um ein bislang völlig unbekanntes Ur-Krokodil gehandelt haben muss, oder, präziser, um so etwas wie einen ziemlich engen Krokodil-Verwandten.

Ein spektakulärer Fund! Ein prachtvolles Tier, wenn man, mit ein wenig Vorstellungsvermögen, von dem, was man hat, auf vergangene Zeiten schließen darf: Zwei Beine, einigermaßen aufrechter Gang, keine Zähne – gut, das erinnert nun nicht gerade auf Anhieb an die trägen Genossen, die uns sonst gelangweilt aus schlammigen Tierparkpfützen zublinzeln. Doch akribische wissenschaftliche Analysen haben zweifelsfrei ergeben, dass das Tier um mindestens 80 Millionen Jahre älter war als Tiere, die man anderweitig hätte klassifizieren können, als so genannte Vogelnachahmer aus der Familie der Reptilien beispielsweise. Jede weitere Bemerkung würde hier wahrscheinlich zu weit führen. Für Details haben wir die Kollegen von der Wissenschaftsseite.

Interessanter ist der Fundort! Unser 210 Millionen Jahre altes zahnloses, den aufrechten Gang nachäffendes Krokodil wurde nämlich nicht in irgendwelchen Gruben entdeckt, sondern im Keller des American Museum of Natural History. Wahrscheinlich war’s mal wieder beim Staub wischen, wobei: Ganz sicher ist das nicht.

Es ist ja ohnehin erstaunlich, was sich so alles findet, wenn man mal wieder kräftig aufräumt. In diesem Fall freilich lag der spektakuläre Fund sorgfältig und bruchsicher in ein Gipsjackett gepackt.

All die Jahre muss sich in den Kellergeschossen in etwa folgender Dialog zugetragen haben: „Oh, what’s that?“ „Ach, das sind nur so versteinerte Knochen, die eine Expedition aus den 40er Jahren aufgesammelt hat, lass mal.“ Zwei Wissenschaftler haben sich nun der Sache angenommen und das Wesen auf den Namen Effigia okeeffeae getauft, wobei der Gattungsname Geist bedeutet. Er weist auf den Fundort hin und auf das spukhafte plötzliche Auftauchen nach einer langen Zeit der Unsichtbarkeit für die Wissenschaft. Vbn

0 Kommentare

Neuester Kommentar