Politik : ...das Wort „durchregieren“ erklärt wird

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Was will Angela Merkel, was haben wir inhaltlich von ihr zu erwarten? Diese Frage bewegt Deutschland natürlich auch heute. Weil Angela Merkel selber nur relativ wenig zur Beantwortung der so genannten IFrage beiträgt, müssen sich die Menschen an Kleinigkeiten festhalten.

Angela Merkel hat gesagt, sie möchte Deutschland „durchregieren".

Die Vorsilbe „durch“ hat scheinbar eine konkrete, räumliche Bedeutung, wie in den Wörtern „durchstoßen“, „durchdenken“ oder „durchschwimmen“. Etwas geht durch etwas anderes hindurch … aber was und wie? Das andere, das Durchobjekt sozusagen, wird vom Durchsubjekt entweder verändert (beim Durchstoßen entsteht ein Loch) oder auch nicht (beim Durchschwimmen bleibt der See eigentlich gleich). Oder beides ist möglich (nachdem man etwas durchdacht hat, ändert man manchmal seine Meinung, manchmal auch nicht).

So gesehen, hat sich Angela Merkel mit dem Wort „durchregieren“ ja schon wieder nicht festgelegt!

Oder sie meint das „durch“ noch anders. Vielleicht wollte sie sagen: Ich möchte gern ohne Unterbrechung durchregieren, als Durchregierung. Wenn mitten in meiner Amtszeit noch mal für drei Monate Schröder drankäme, fände ich das nicht gut, weil es dem Konzept des Durchregierens widerspricht. Ja, gut. Aber das ist doch selbstverständlich.

Weil das Wort Durchregieren so rätselhaft ist, hat sich auch in der „FAZ" ein Autor Gedanken darüber gemacht. Er kommt zu dem Schluss, das Wort sei ein „rhetorisches Projekt“ und „die realpolitische Folgenlosigkeit scheint geradezu die Bedingung der Möglichkeit dieser holistischen Rhetorik zu sein“ – das soll bedeuten, dass auch der FAZ-Autor das Wort „durchregieren“ im Grunde gaga findet. Womöglich meint Angela Merkel das „durch“ in genau dem Sinn, wie es der Kellner im Steakrestaurant verwendet, wenn er fragt, wie man sein Steak haben möchte. Vielleicht will sie sagen: „Schröder hat Deutschland medium regiert. Lafontaine würde blutig regieren. Ich regiere gut durch.“

Angela Merkel kann manchmal etwas Peinliches haben. Etwa, wenn sie „durchregieren“ sagt oder sich an den wichtigen Stellen verspricht. Das mit dem Peinlichsein war auch bei Helmut Kohl der Fall. Gerhard Schröder wirkte, auch, wenn er Fehler machte, selten peinlich. Er hat eine gute Performance hingelegt, das war, nach Kohl, immerhin eine sinnlich erfreuliche Erfahrung. Beim Steak gilt medium übrigens auch als cooler. Gut durch ist nur für Spießer, sagt unser Chefgastrokritiker. mrt

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