Politik : ...Denglisch out ist

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Wir haben im Moment ja gerade etwas, was der feine Kulturmensch einen „antiamerikanischen Diskurs“ nennt: Wer zehn Deutschen die Buchstaben „USA“ zuruft, wird von ca. sieben die Antwort erhalten, sie müssten jetzt sofort dringend erbrechen. Tschetschenische Terroristen oder irakische Folterer können durchweg mit größerer Nachsicht oder doch zumindest großer Rücksicht auf ihre eventuellen Motive rechnen als die USRegierung – aber das soll hier nicht das Thema sein. Sondern, dass diese seltsame Haltung eine ganz unerwartete Nebenwirkung hervorbringt: Das Ende der denglischen Sprache.

Bislang war es ja so: Wer in Werbesprüchen wie „Come in and find out“ (Douglas) grenzdebilen Unfug sah und bei „One group, multi utilities“ (RWE) nur noch laut stöhnen konnte, der wurde von den Multikulti-Freunden flugs in die deutschnationale Schublade gesteckt. Sprachnazi! Das Blatt hat sich gewendet: Derlei Anglizismen sind nun enttarnt als Unterwerfung unter amerikanisches Hegemoniestreben, als Symbol der verhassten Globalisierung – und sie stehen damit auf der Michael-Moore-Skala des politisch Unliebsamen plötzlich ganz oben. Der Sprachrettungsklub Bautzen Schulter an Schulter mit Greenpeace... Wird bald „Grünfrieden“ heißen müssen.

Der heutige Tag der deutschen Sprache dürfte in dieser Richtung allerhand neue Erkenntnisse liefern. Die wichtigste liegt schon vor: Der altböse Feind jeglichen regionalen Kulturstrebens, McDonald´s, hat sich, Unheil ahnend, sprachliche Tarnung verordnet. Früher trällerten seine Werbebeauftragten auch in Deutschland „Every time a good time“. Der neue Spruch lautet „I´m lovin´ it“, aber nicht bei uns, wo es schlicht „Ich liebe es“ heißt. Eine kulturelle Wende! C&A („Fashion for living“) textet neuerdings „Preise gut, alles gut“, und selbst die Bild-Zeitung findet es blöde, „Dinner cancelling“ dafür zu sagen, dass man einfach abends nach sechs nichts mehr essen mag.

ZDF-Intendant Schächter ist erwählt worden, diesen Trend zu personifizieren. Schöpfungen wie „kiddie contests“ und „webcam nights“ haben ihm stellvertretend für seinen Sender den Titel „Sprachpanscher des Jahres“ eingetragen, knapp vor Edelgard „Brain up“ Bulmahn. Verdient, verdient, ließe sich höhnen, wäre da nicht das Gefühl, dass wieder einmal das Richtige aus falschen Motiven geschieht. Und so wirkt die Idee verlockend, mit ein paar besonders blöden Anglizismen in den antiamerikanischen Diskurs einzugreifen. Highlight! Event! Key account manager! Klingt, so gesehen, irgendwie sympathisch. bm

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