Politik : ...der 9. August Geschichte macht

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Über die Vorhersagen und über Experten lässt sich das Folgende sagen. Im Jahre 1173, an einem 9. August, begannen die Bewohner einer der schönsten Städte Europas mit einem ehrgeizigen Neubau, denn im Stadtbild herrschte Reformbedarf und Geld war vorhanden. Die Architekten schienen echte Experten zu sein. Das Gebäude wirkte luftig, beinahe durchsichtig. Obwohl es aus Stein war, schien es auf den ersten Blick überhaupt keine fassbare Substanz zu haben, ähnlich wie eine AngelaMerkel- Rede. Plötzlich aber kippte das Gebäude um wie ein Kartoffelsack und versank teilweise. Es war nämlich der Turm von Pisa. An einem anderen 9. August, 1896, probierte einer der kühnsten Erfinder seine Erfindung aus. Er hatte ein Gutachten besorgt und Pressestimmen gesammelt und die Nase in den Wind gehalten. Die Erfindung stieg und stieg, auf zuverlässige Weise, ähnlich wie die Umfragewerte der Linkspartei. Aber dann stürzte die Erfindung ab, eine plötzliche Bö, der Flugpionier Otto Lilienthal starb. An einem anderen 9. August trat der mächtigste Mann der Welt vor die Presse. Er hatte seine Partei und den Globus fast so gut im Griff gehabt wie Edmund Stoiber die CSU. Aber er hatte nicht aufgepasst. Und man sollte halt immer aufpassen. 1974, Richard Nixon war futsch.

Der römische Kaiser Valens hatte, wie Gerhard Schröder, gewisse Probleme wegen der Globalisierung, die damals „Völkerwanderung“ hieß. Die Goten lümmelten in großer Zahl am Eingang des Reiches herum und fragten: „Dürfen wir rein?“ Valens ließ sie reinkommen. Sobald aber die Goten drin waren, fing er einen Koalitionsstreit mit ihnen an. Valens war kein stetiger Typ, mehr so ein Zickzack- oder Instinktpolitiker. Die Goten fügten ihm, wie von den damaligen Meinungsforschern richtig vorhergesagt, eine fürchterliche Niederlage zu. Dies war, am 9. August 378, der Anfang vom Ende des Römischen Reiches.

Der 9. August ist nämlich nachweislich ein richtiger Katastrophen- und Wendetag. Heute, am 9. August, wird das Bundesverfassungsgericht die entscheidende Sitzung abhalten, darüber, ob es überhaupt Neuwahlen gibt. Das Urteil wird möglicherweise am 23. August bekannt gegeben. Am 23. August 476 ist das Römische Reich, das eine große Koalition mit den Goten eisern ablehnte, dann endgültig untergegangen, obwohl die Römer fast alle politisch dagegen waren und obwohl es im Römischen Tageblatt warnend hieß: „Der Untergang Roms wird ein furchtbares Chaos, den Rücktritt des Kaisers und unwägbare Folgen verursachen.“ mrt

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