Politik : … der Alkohol im Blut bleibt

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Der Witz ist alt, aber wir können aus ihm lernen. Was muss ein Tenor (Bratscher/Journalist/Ostfriese etc.) trinken, damit er 0,5 Promille im Blut hat? Antwort: drei Tage lang gar nichts.

Sehen wir einmal ab vom unverantwortlichen Hohn über bestimmte Minderheiten, der in dieser Pointe zum Ausdruck kommt, so benennt sie doch eines der größten Menschheitsprobleme der westlichen Welt. Man möchte gern saufen, als gäbe es kein Morgen – und doch fünf Minuten nach dem letzten Schluck wieder topfit sein und mit dem eigenen Auto zur Baustelle eilen oder zum Meeting der Key-Account-Manager. Und das ist nicht möglich, weil der Abbau des Alkohols im Blut nun einmal ganz langsam geht und allenfalls mit Zauberei beschleunigt werden kann. Selbst Miraculix, der weise Druide, musste seine ganze Kunst aufbieten, um die Wirkung von zuviel Cervisia im Notfall sofort aus der Welt zu schaffen.

Aus dieser Traditionslinie könnte sich indessen etwas entwickeln. Gestern früh geisterte die Meldung durch die Radionachrichten, französische Forscher hätten endlich ein Mittel gefunden, das die Adern zackbumm vom Dämon Alkohol befreit und so eine neue Ära der Lebensqualität heraufdämmern lässt. Bzw: ließe. Denn später war diese Meldung nicht richtig zu verifizieren, und es liegt insofern der Eindruck nahe, als sei hier wieder einmal der karnevalsbedingt und insofern turnusmäßig auftauchende Wunsch der Vater des Gedankens gewesen. Bislang nämlich hat sich stets gezeigt, dass selbst Traditionsmittel wie Rollmöpse in engen Grenzen dämpfender auf den Blutalkohol wirken als spezielle Medikamente. Egal, wie mächtig der Konzern dahinter auch sei.

Ohnehin: Wie wäre das Leben mit der neuen Pille? Teuer würde sie sein, sehr teuer, und unsere Gesundheitsministerin müsste sich dem Ansinnen, die Kosten auf die Krankenkassen zu verlagern, notfalls mit Einsatz der Bundeswehr widersetzen. Also liefe alles auf ein kostenbewusstes Szenario hinaus: Wir saufen, setzen uns ins Auto, und erst, wenn die Polizei zudringlich wird, kommt die Pille ins Spiel. Tja, Herr Wachtmeister, würden wir lallen, das ist jetzt Pech, denn gleich bin ich wieder auf null.

Sehen wir es realistisch: Die Pille wäre der Untergang des Abendlandes. Spechten ohne Ende, dann medikamentöse Vollbremsung, damit die Leber außen vor bleibt oder die anderen Anonymen Alkoholiker nichts merken, das kann auf lange Sicht nicht gut gehen. Außerdem: Wo bliebe die stimulierende Kraft des abebbenden Rauschs? Da müssten sich die Tenöre, Bratscher und Ostfriesen ziemlich umsehen. Und Journalisten wohl auch. bm

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