Politik : … der Berg leuchtet

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Das olympische Motto, es ist bekannt: Citius, altius, fortius. Schneller, höher, stärker, ein menschliches Motto, ehrgeizig, ruhelos, strebsam, wenngleich schon so manches Mal Schindluder damit getrieben wurde. Aber es soll hier nicht die Rede sein von Jan Ullrich. Nur so viel vorweg: Altius, man kann es auch ohne Doping übertreiben.

Nun zum Mount Everest. Altissimus. 8844 Meter hoch. Was so ein echter Sherpa ist, der hat schon manches gesehen und überlebt. Sir Edmund Hillary etwa, den Erstbesteiger. Oder Tom Whittaker, der erste Beinamputierte, der den Gipfel erklomm. Blinde Bergsteiger sah dieser Sherpa und Mark Inglis, der im vorigen Jahr ganz ohne Beine „Qomolangma“, die „Mutter des Universums“, wie der Berg auf Tibetisch heißt, bezwang. Unser Sherpa hat auch Reinhold Messner überstanden, was gewiss eine der härtesten Prüfungen war. Und er wird auch die neunzig Menschlein überleben, die dort im kommenden Jahr mit Beleuchtung dem Himmel entgegenstreben. Es werden Fackelläufer sein, besser: Fackelkletterer, die – citius, altius, fortius – das olympische Feuer auf seinem Weg von Olympia, Griechenland, nach Peking, China, auch über den Berg bringen sollen. Es strebt der Mensch, solang er lebt? Es irrt der Mensch, solang er strebt! Oder, mit Asterix statt Goethe: Die spinnen, die Chinesen. Und zwar nicht zu knapp. sondern nachgerade olympisch.

Was das soll, Flammen auf dem Dach der Welt? Keine Ahnung, möglicherweise ist es ein Härtetest für die Fackel. Wenn sie die dünne, sauerstoffarme Luft auf dem Mount Everest übersteht, dann wird ihr mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die Luft Chinas nicht das Lebenslicht ausblasen. Weil, erst mal in China angekommen, kennt sie sich ja dann aus mit sauerstoffarmer Luft.

Fackeln im Himalaya, das soll wohl, und das machen die Chinesen ja gerne, den Triumph des Willens demonstrieren. Wir können alles, wir können Stauseen bauen, so groß, wie die Welt sie noch nicht gesehen hat. Wir können die Luft verschmutzen, so dreckig, wie die Welt sie noch nicht geatmet hat, wir können Ping-Pong, und wir können Speisekarten schreiben, so lang, dass man sie nicht mehr lesen kann. Triumph des Willens.

So hieß übrigens ein Film von Leni Riefenstahl. Den drehte sie kurz bevor sie, 1936, die Olympischen Spiele von Berlin ins rechte Licht rückte, ins äußerst rechte Licht. Damals übrigens, 1936, wurde der olympische Fackellauf überhaupt erst erfunden. Den gab es vorher nicht, den hat erst ein Carl Diem mit all dazugehörigem Wahn und Größenwahn ins olympische Programm gehoben. Nun fackelt es durch China. So schließen sich Kreise.uem

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