Politik : ...der Botschafter ein Pils zischt

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Der entfesselte Kapitalismus zeigt uns in diesen Tagen seine Folterinstrumente vor. Es handelt sich um 1. Werbung, 2. Reklame und 3. Marketing. Das Zeug ist überall um uns herum, es schleicht sich klandestin in Fernsehserien, prangt als Symbol auf den Kragen von Bundes und Landestrainern und verseucht die schönsten Fernsehsendungen. Es genügt, dass arglose Zuschauer abends hinter Kahns Tor zehn Sekunden lang ein Wort sehen, beispielsweise „Postbank“ – und schon lösen sie wie von Geisterhand gelenkt ihr Konto bei der Sparkasse Suhl-Meiningen auf. Und das unterschwellige Lob des Rapsöls im „Tatort“ hat vermutlich längst die deutschen Sonnenblumenöl-Aktionäre verzweifeln lassen. Teuflisch!

Gottlob sind nicht alle so hinterhältig. Einer, der uns nie im Unklaren ließ über seine jeweilige Werbebotschaft, ist Boris Becker. Der stählerne Blick, die starr aufgerichteten Haare signalisieren: Hier werbe ich, ich kann nicht anders, kauft das Zeug oder lasst es bleiben. Doch im Gegensatz zu vielen seiner Sportsfreunde, die einfach so herumwerben, legt er Wert auf einen angemessenen Titel, möchte immer Botschafter sein, einer also, der die Leute nicht vollquatscht, sondern diplomatische Noten übergibt, der nicht einfach reinplatzt, sondern akkreditiert wird.

So durfte er ins Netz gehen für AOL, aber das ziellose Internetsurfen hat offenbar Durst in ihm entfacht, großen Durst. Dann war da auch noch die Trennung von der schönen Carolin, üble Sache, was soll ein Mann da machen, wird er also Bierbotschafter. Für König-Pilsener, wie wir hier einfach mal verraten wollen, obwohl der Scheck für die Erwähnung noch nicht bei der für diese Rubrik zuständigen Media-Agentur eingetroffen ist.

Bierbotschafter! Der Rahmen der Ernennung, das Adlon, wäre nur noch durch ein Schloss zu übertreffen gewesen, das alkoholische Korps aber war zur Begrüßung wohl vollzählig versammelt, und es kommt ja auf Taten an, das ist bei Botschaftern nicht anders als bei Müllwerkern oder Gebäudereinigern. Boris soll nicht plaudernd dastehen, sondern Umsatz bringen, er soll den Leuten von Warsteiner und Jever die Bilanzen rebreaken und ihnen Hopfen und Malz um die Ohren hauen, dass…

Für den Anfang schlagen wir eine kleine Aufwärmübung vor. Boris zischt ein Pils, holt tief Luft, stellt das Glas ab. „Es ist drin“, sagt er dann glücklich, „das war ja einfach!“ Eine große Karriere hat begonnen. Champagnerminister! Weingeneralkonsul! Grappapapst! Man kann es weit bringen heute mit einem starken ersten Aufschlag. bm

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