Politik : ... der Boxer grillt

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Man liest ja so viel, im Tagesspiegel, wie uns die Zeiten ändern. Immer samstags, dann sogar rubriziert. Aber auch sonst. Erst gestern: Cohen im Aufzug? Kennt angeblich kein Mensch mehr, wenn er das Licht der Welt nicht allerspätestens in den 70ern erblickt hat. Oder Maradona. Dieser Tage zu sehen bei der Rückbildungsgymnastik, derart kugelbäuchig, dass schon der Versuch scheitert, das Doppelkinn mit Anstand auch nur auf seiner behaarten Brust abzulegen – ach, könnte er sich doch mit der Hand Gottes wenigstens noch allein seine Socken hochziehen, ohne dabei außer Atem zu geraten. Und der nette Herr am Sonntagabend bei Christiansen, ganz links? Der, der sich so vehement für mehr Arbeit und weniger Geld ausgesprochen hat und im täglichen Leben Winterjacken verkauft – was, der ist mal Ski gefahren?

Ja, früher, wie der Blitz sogar. Die Zeit rast. Nix hat mehr Bestand. Nicht mal mehr das Image.

Wir müssen jetzt leider einen Sprung machen, sonst wird nachher der Platz für die Pointe zu knapp. Ein Sprung zurück, 30 Jahre, mitten hinein in die Nacht von Zaire. Muss irgendwann um die fünfte Runde gewesen sein, damals, ’74, beim „Rumble in the jungle“. „George“, schnaubte Muhammad Ali, als sein Gegenüber zum wiederholten Male mit dem Versuch gescheitert war, ihm das Nasenbein ins Hirn zu treiben, „you done run out of gas, now I’m gonna kick your ass“. Zugegeben, das hätte man seinerzeit auch eine Spur höflicher formulieren können; wenigstens hat es sich im Englischen gereimt.

Und wahr war es schließlich auch! Schon drei Runden später war Schluss. Drei Linke, eine Rechte, acht, neun, zehn. Aus. Feierabend. George war „out of gas“, sollte zwei geschlagene Jahre dauern, bis er sich wieder einigermaßen berappelt hatte. Unter uns: Es war der Kampf des Jahrhunderts. Wir von „Der Tag, an dem…“ halten deshalb mal kurz inne und würden Ihnen gerne Gelegenheit geben, den Namen aus eigener Kraft zu memorieren...

Na? Ja, George Foreman. In Frankfurt stellt er heute seinen Grill vor. Er wird dann Sätze sagen, wie: „My grill will knock out the fat of your food“, das reimt sich nicht, aber irgendwie stimmt es sogar, der Grill ist leicht schräg gestellt, so kann das Fett besser abfließen. Bei dem Gerät ist selbstverständlich eine Fettauffangschale mit dabei. Das ist praktisch, und es ist auch nicht so, dass Foreman keinen Spaß am Grillen hätte oder am Geld verdienen. Keine Sorge, da gibt es reichlich. Aber traurig, wenigstens ein bisschen, darf man schon sein, dass in den USA die Zahl derer wächst, die Foreman sehen und dann sagen: „Guck mal, da kommt der Koch aus dem Fernsehen“. Vbn

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