Politik : ... der Bürgerkrieg gerade den internationalen Islamismus stärkt?

Zehn Jahre nach dem Einmarsch der US-Armee in den Irak steht mit Syrien ein weiteres Land der orientalischen Kernregion vor dem inneren Zerfall und der Auflösung staatlicher Strukturen. UN-Vermittler Lakhdar Brahimi jedenfalls nimmt kein Blatt vor den Mund. „Entweder wir erreichen eine politische Lösung oder die Situation wird ähnlich wie in Somalia oder sogar schlimmer“, sagte er. Denn auf syrischem Boden operieren inzwischen viele tausend Dschihadisten aus aller Herren Länder, die meisten aus dem Irak, viele aus Saudi-Arabien, Tunesien, Ägypten, aber auch aus Europa und Nordamerika, Russland und Tschetschenien. Sie tragen, obwohl geringer an der Zahl, die Hauptlast im Kampf gegen das Assad-Regime.

Und sie streben offenbar die Kontrolle ganzer Landstriche an, so dass sie immer häufiger mit der „Freien Syrischen Armee“ und der örtlichen Bevölkerung aneinandergeraten. Die selbst ernannten Gotteskrieger richten Scharia-Gerichtshöfe ein, drangsalieren die Menschen mit ihren frommen Vorschriften. Ungezählte Exekutionen von gefangenen Assad-Soldaten gehen vermutlich auf ihr Konto. In Aleppo richteten drei schwarz gekleidete Islamisten einen 14-jährigen Kaffeeverkäufer wegen angeblicher Gotteslästerung vor den Augen seiner entsetzten Eltern hin.

Seit vier Wochen eskalieren nun auch die Kämpfe zwischen Al Qaida und Milizen der syrischen Kurden. Mehr als 50 000 Menschen haben die Extremisten in ihrem Kampf um die Vorherrschaft im Osten Syriens bereits in den benachbarten Nordirak vertrieben. Behalten die Gotteskrieger die Oberhand, könnte sich Al Qaida zum ersten Mal nahe der Mittelmeerküste in autonomen territorialen Enklaven festsetzen. Was das bedeutet, hat bisher nur der Jemen entlang des Golfs von Aden erlebt – totale Terrorisierung der Bevölkerung, zerstörte Ortschaften und hunderttausende Dauervertriebene.

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