Politik : ...der Ersatz zum Einsatz kommt

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Bei der Betrachtung der Endlosschleife jener edlen Taten, die sich an Kennedys Worten „Frage nicht, was dein Land für dich tun kann – frage, was du für dein Land tun kannst" orientieren, fällt unser Blick heute auf, nein, nicht auf Amerika: auf das Landestheater von Linz.

Dieser Tage wurde dort „Carmen“ gegeben. Leider nicht ganz reibungslos. Im zweiten Akt machte der Bariton schlapp. Kreislaufkollaps? Herzattacke? Die Berichte gehen auseinander. Von einer „Schrecksekunde" ist zu lesen – für Darsteller und Publikum. Wohl wahr! Die Rolle des Escamillo – fortan vakant, das Stück aber beileibe noch nicht zu Ende. Und nun?

Nun meldet sich im Auditorium ein Mann, bereit, die Sache mit Anstand zu Ende zu bringen. Er geht auf die Bühne, singt, ungeschminkt. Das Publikum ist begeistert. Und wir? Wir sind gerührt.

Ist er das denn nicht? Ja, genau, das ist er, der Stoff, aus dem unsere Träume sind. München, Olympiastadion, 90. Minute gegen Juve, Kahn patzt, 0:1. Magath ratlos, schaut sich um, will wechseln. Keiner mehr da, der was taugt. Wirklich keiner? Doch wir, Block C, Reihe 12, Sitz 3, zufällig haben wir auch unsere Fußballschuhe dabei, wechseln uns selber ein, dann die Flanke von Ballack, der Fallrückzieher, der Rest – Legende.

Und dann, tags drauf im Bundestag. Diese Ratlosigkeit! Milliardenlöcher, wohin man schaut, und niemand da, sie zu stopfen. Eichel nicht. Merz nicht. Thierse sagt: Jetzt redet nur noch, wer was weiß! Alles schweigt. Da kommen wir, das Manuskript unter dem Arm, gemessenen Schrittes runter von Block C, Reihe 12, Sitz 3, in diesem Fall natürlich nur sinnbildlich gesprochen, es gibt ja keine nummerierten Blöcke im Reichstag…

Ach, aber es gäbe so viel zu tun. Die Zeitläufte hin und wieder inspiriert zu einem passablen Klappentext zu komponieren, ist das nicht exakt das Schicksal, das die Welt für uns Ersatzspieler vorgesehen hat? Wir warten. Wer traut sich, uns einzuwechseln?

Und nun, 17 Zeilen noch, genug Platz also für die hammermäßigste Pointe in der an Pointen nicht eben armen Geschichte des „Tages, an dem…“. Bitte sehr! Da treten wir doch zurück, gelassen und voller Erwartung. Schreiben Sie! Schreiben Sie diesen Kasten voll! Aber seien Sie gut, seien Sie verdammt gut!

Ach nein, für heute geht das ja nicht mehr, dieser Text ist schon im Druck. Aber morgen. Morgen geht das ganz bestimmt. Wenn Sie dem Kollegen von nebenan freundlicherweise behilflich sein könnten, nach 11 Uhr unter 260098 90. Vbn

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