Politik : … der Grottenolm die Politik bestimmt

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Wir fürchten uns, wenn Drachen und ähnliche Ungeheuer die Szene betreten. Drachen, so glauben wir, sind schlecht gelaunte Menschenfresser. Sie haben Köpfe, die nachwachsen, wenn man sie abhackt. Das macht sie sehr gefährlich. Es sei denn, man heißt zufällig Siegfried. Dann kommt man vielleicht davon.

Aber ist es denn überhaupt schlecht, wenn Köpfe nachwachsen? Wo Köpfe wachsen, können auch Füße, Arme, Nasen, und Ohren wuchern. Sagen Forscher. Sie haben klitzekleine Wesen gefunden, an denen sie nach dem Drachengen suchen. Sie ergründen die Geheimnisse von Axolotln und Grottenolmen. Das sind putzige Lurche, die seit ihrer Entdeckung im Jahr 1689 im Verdacht stehen, die Jungen eines Lindwurms zu sein, „die zuweilen bei starken Regengüssen aus dem Erdinnern in die oberirdischen Bäche gespült werden“, wie der Entdecker notierte. Normalerweise leben sie verborgen in tiefen Höhlen im Harz, in Slowenien oder auch in Mexiko. Haut man ihnen ein Bein ab, wächst es nach. Beißt man den Schwanz weg, ist flugs ein neuer da. Reißt man das Herz entzwei, dauert es nicht lang, dann schlägt ein neues im Axolotl. Auch der Kopf, so vermutet man, regeneriert sich. Irgendwie.

Eine prima Sache wäre das für uns: Gefällt die Nase nicht? Weg damit. Die neue wird schon besser sein. Der Geist verpufft, das Herz gebrochen? Wer das AxolotlGen hat, wird schnellere Beine, bessere Nasen und mehr Gehirn haben. Wie der Axolotl.

Andererseits: Wissen Sie, wie der Axolotl aussieht? Wie ein blasser Lurch, eine lang gezogene Kaulquappe, ein glubschäugiger schwimmender Mehlwurm. Wenn er alles neu machen kann, warum sieht er dann ausgerechnet so aus? Und warum ist er so dumm? Warum war Albert Einstein ein Mensch und kein Axolotl?

Das Axolotl-Gen kann alles neu machen. Aber es kriegt die Sachen nicht besser hin, als sie vorher waren. Das trennt den Axolotl von den Gewerkschaften, die immer alles so lassen wollen, wie es ist, und die nie eine Große Tarifkommission abschaffen würden, nur um mal zu sehen, ob sie genauso nachwächst. Stärker wirkt das Gen in Gerhard Schröder: Der macht eine Reform, sie taugt nichts, wird herausgerissen. Wächst als Hartz-Kommission nach. Kommt nicht an, wird wieder weg- und dann neugemacht: Agenda 2010. Immer neu. Und doch immer gleich.

Irgendwann, Bein hin, Schwanz her, ist allerdings auch der stärkste Axolotl tot. Möglicherweise können wir daraus ja noch was lernen für die Politik.uwe

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