Politik : … der Hund vom Hügel muss

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Richard Wagner war ein großer Hundefreund. Sein Lieblingstier, ein Neufundländer, hieß „Russ“. Die Oper „Die Hundezüchter von Leipzig“ musste er bekanntlich nur aus CopyrightGründen in „Die Meistersinger von Nürnberg“ umbenennen, und mit der Ballade der Senta im „Fliegenden Rottweiler“ eröffnete er einen völlig neuen Blick... Äh, Moment. Hier sollte es eigentlich um den Kunstprofessor Ottmar Hörl gehen, dessen Obsession darin besteht, alle Städte, die nicht rechtzeitig Flughäfen und Bahnhöfe sperren, mit Plastiktieren vollzustellen. Er durchforscht die deutsche Kulturlandschaft systematisch nach zoologischen Verknüpfungen und überzog im ersten Anlauf Berlin mit Aberhunderten von Bären, deren ästhetischer Wert je nach Bemalung zwischen Naja und kreischdoofem Kitsch der Stärke zehn auf der nach unten offenen Hundertwasser-Skala lag. Man könnte über Hörls Verdienste also sagen, dass er Berlin durch das Wiederverschwinden der Bären schlagartig verschönert hat, und folglich erlebte Nürnberg alsbald die Belagerung durch 7000 Dürer-Hasen.

Doch was würde nun kommen? Plastik-Ratten für Hameln? Kakerlaken für New York? Nicht überraschend, dass es Bayreuth getroffen hat, jene Stadt, die gerade noch dem verwesenden Hasen aus Schlingensiefs „Parsifal“ nachschnuppert. Hasen waren Dürer-halber verbraucht, aber es drängten sich Hunde auf, weil ja Richard Wagner... Völlig überraschend hat der örtliche Kulturreferent jetzt dieser Narretei ein Ende gemacht und Hörl mitsamt seinen 800 lebensgroßen Kötern vom Grünen Hügel verwiesen, ganz so, als sei das Festspielhaus noch eine letzte Insel des Geschmacks in der weltweiten Nippes-Lawine.

Aber das ist es natürlich nicht. Die Viecher werden sich über das Reisegepäck der Bayreuth-Besucher unweigerlich in der Welt ausbreiten wie Grippeviren und ihren Schöpfer Höhl zu immer neuen Aktionen anregen. Hängebauchschweine! Elche! Pottwale!

Das geht so: Behaupten wir mal probeweise, Franz Josef Strauß sei der letzte Dinosaurier der deutschen Politik gewesen. Das ist kaum zu widerlegen. Hörl kriegt das mit, lässt, hey, sofort einen 15 Meter hohen Diplodocus gießen und in tausend Exemplaren zwischen Stachus und Münchener Freiheit aufstellen, musikalisch untermalt von Konstantin Wecker. Sorry, Münchener, das war gemein. Aber warum sollen immer nur Berlin und Bayreuth die Last der Kunst tragen?bm

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