Politik : … der Krieg aus ist

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Am Ende des Tages, respektive des Jahres, ist es doch immer ganz gut, wenn alle Unregelmäßigkeiten geklärt sind. Wenn der Dreck zusammengefegt ist, geht es sich doch gleich viel leichter in die Zukunft. Wobei, Dreck ist es nicht, den die Briten just dieser Tage beiseiteräumen. Und doch ist jetzt alles sauber.

You understand? Nicht? Ist auch alles sehr lange her. Vor mehr als 60 Jahren bat Großbritannien die USA und Kanada um Finanzhilfe, um Milliardenkredite, die ihnen auch in Höhe von 5,52 Milliarden US-Dollar gewährt wurden. Die Briten hatten etwas zu reparieren, dass sie nicht kaputt gemacht hatten: ihr Land nämlich. Die Dollar dienten den Militärausgaben beim Sieg über Nazideutschland und der Behebung der Kriegsschäden. Warum wir das hier erzählen? Weil die Briten eben genau jetzt alle Schulden bezahlt haben.

Tu felix Britannia! Die letzten Raten betrugen 63,4 Millionen Euro an die USA und 17,3 Millionen Euro an Kanada, was auf eine gewisse Gesundung des britischen Staatshaushaltes hinweist (und es soll auch an diesem erfreulichen Tage des nun auch finanziell beendeten Krieges gar nicht beckmesserisch gefragt werden, wie hoch die Neuverschuldung durch die Teilnahme am Irakkrieg ist).

Man kommt angesichts dieser so überraschenden Nachwehe aus der Vergangenheit natürlich nicht so ganz um eine kleine Nabelschau herum. Wie sieht das eigentlich bei uns aus? Haben wir alles bezahlt? Nein, haben wir nicht, und das dauert noch ein paar wenige Jährchen, und das ist wohl auch nur recht und billig, dass wir ein wenig länger darben müssen an den Folgen des Krieges als andere Länder. Und das ist keine Moralkeule, Herr Walser, Herr Strauß, das ist richtig. 95 Millionen müssen wir noch aufbringen, bis zum Jahr 2010, und dann sind insgesamt 13,73 Milliarden Mark gemäß dem Londoner Schuldenabkommen von 1953 rückgezahlt worden. Viel? Nein, wenig!

Woher nehmen? Hätten wir einen Paul McCartney wäre es leicht. Der hat auch dieser Tage, das heißt nachts und bei Nebel, in seinen Landsitz Peasmarsh in der Grafschaft Sussex eindringen lassen, um dort Werke unter anderem von Renoir und Picasso abzutransportieren, Werte von knapp 15 Millionen Euro. Hintergrund: die Scheidung von Heather Mills und die tatsächlichen, knappen Vermögensverhältnisse McCartneys. Er habe nur 450 Millionen Euro, gab er an und nicht wie kolportiert 1,2 Milliarden. Und nun genug der Zahlen, nur noch eine. Es ist Jahresende, freuen wir uns und schießen wie immer rund 100 Millionen Euro in die Luft.uem

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