Politik : … der Mönch in der Ecke sitzt

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Advent, das ist die Zeit der spirituellen Einkehr. Mancher geht in sich und findet dort, was er sucht, manch anderer findet nichts und kehrt dann gleich wieder woanders ein. Michael Jackson beispielsweise, der sich eine Weile mit den Zeugen Jehovas zu identifizieren schien, möchte nun doch lieber den Islam beschnuppern und fortan den Vornamen Muhammad tragen. Ob dies ein Zeichen echter religiöser Erweckung ist oder doch nur Dankbarkeit dafür, dass sie ihn in Bahrain nicht gleich wieder in den nächsten Flieger nach Hause gesetzt haben – wer weiß?

Es ist jedenfalls ein Zeichen der Verwirrung. Heute Guru, morgen Apostel-Azubi, übermorgen Bettelmönch - das geht bei vielen sehr durcheinander. Zudem hat dieses Bekenntnis-Hopping oft auch so gravierende finanzielle Folgen, dass man unseren im Mahnen wie im Abmahnen beschlagenen Verbraucherzentralen nur raten kann, der Schuldnerberatung auch eine Gläubigenberatung anzugliedern.

Vorbildlich sehen wir diese Idee jetzt in Thailand verwirklicht. „Triff den Mönch in einer ruhigen Ecke“ heißt das Programm, das der Kulturminister des Landes jetzt in großen Einkaufszentren anbietet. Wer beim Powershoppen und Schnäppchenjagen in eine Sinnkrise gerät oder auch nur eine einfache Entscheidung nicht auf die Reihe bekommt – Hermès-Bag oder Vuitton-Täschchen? – der kann sich an den nächsten Dienst habenden Mönch wenden und ihn um geistlichen Beistand bitten; der lange Weg zum nächsten Tempel entfällt.

Klar, dass im stark buddhistisch geprägten Thailand dabei die Sichtweise dieser Religion im Vordergrund steht, klar ist aber auch, dass ein ähnliches Projekt im eher säkular geprägten Deutschland vielschichtiger, ja geradezu multipolar aufgezogen werden müsste. „Für Spezialfragen der sunnitischen Glaubensauslegung bin ich nicht zuständig“, würde der Benediktinermönch unten im Europa-Center sagen, „den Kollegen finden Sie drüben im KaDeWe gleich hinter der Teppichabteilung“. Abtrünnige Scientologen, verwirrte Agnostiker, kaufsüchtige Evangelikale – sie alle hätten ein Recht darauf, angehört und gegebenenfalls an einen Spezialisten im Einkaufszentrum nebenan überwiesen zu werden. Die Fairness verlangte freilich, dass wir die Glaubensberater nicht durch unpassend banale Einkaufsfragen – „Finden Sie diesen Rock nicht zu kurz?“ – in Verlegenheit bringen.

Für Muhammad Jackson käme das zu spät. Er wird noch zwei, drei Naturreligionen austesten, kurz bei den Mormonen reinglauben und sich am Ende den „Klingonen für Christus“ anschließen. Dann allerdings gibt es überhaupt keinen passenden Berater mehr für ihn.bm

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