Politik : . . . der Mops hochlebt

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Dass der Mops mal wieder in ist, kann man am Stadtbild beobachten. Ob groß, ob klein, alt oder jung, Möpse wackeln stark in Bodennähe, leicht verdrießlich der Blick, hinterdrein durch die Straßen. In anderen Gegenden, den betuchteren, ist es aber immer noch der Dalmatiner, der, wenn nicht als Schoßhund, so doch als Ausdruck der edlen, ästhetischen Gesinnung taugt. Was nun den Mops angeht, so ist er gutmütig und lernwillig, neigt zum Übergewicht und zur Selbstüberschätzung. In Gefahrensituationen, zum Beispiel mit anderen Hunden, wähnt sich der Mops gerne als Dogge oder Bullterrier, was oft ein schmerzhaftes Erwachen nach sich zieht. Der Dalmatiner hingegen ist ein rechtes Sensibelchen und doch ein braver Befehlsempfänger. Ob neben dem Fahrrad laufen, apportieren oder Flüsse durchqueren, der Dalmatiner macht alles klaglos mit. Wenngleich empirisch noch nicht klar belegt, so lassen doch Potsdamer Feldstudien eine gewisse Altersinkontinenz beim Dalmatiner vermuten. Er hebt dann in den betuchteren Vorgärten ungehemmt das Bein, woraufhin die mühsam angelegten Zierrasen in Windeseile verdorren.Was aber beide eint, den knautschigen und verkniffenen Mops und den eleganten und leicht arroganten Dalmatiner: Sie finden sich nicht unter den ersten zehn der klügsten und intelligentesten Hunderassen.

Aber spricht das gegen sie? Spitzenreiter, so haben Hunde-Verhaltungsforscher soeben ermittelt, ist der Border-Collie, dicht gefolgt vom Pudel und dem Deutschen Schäferhund. Die Klugheitsmerkmale sind jedoch grenzwertig, wenn nicht sogar eher Dummheitsmerkmale. Gelobt ist, was devot ist. Der Border-Collie gehorcht nahezu immer, der Pudel lässt sich auf Dumm scheren bis ins hohe Alter, ist extrem neugierig und macht wahrscheinlich deswegen noch ohne Widerbiss jeden modischen Schnickschnack von Frauchen mit. Und was den Schäferhund angeht, so wissen wir seit Blondi, Hitlers Lieblingsköter, wohin der Untertanengeist führen kann. Platz zehn der Rangliste nimmt auch ein Schäferhund ein, der Australische, und dem wird bescheinigt, er sei so klug, dass er keine Leine brauche. Was daran klug ist, tumb bei Fuß zu laufen, statt die Leinenfreiheit zum freien Ausritt ins Outback zu nutzen, wissen wohl nur die Verhaltensforscher. Disziplin, Lernfähigkeit und Hundesport-Eignung, das ist den Forschern Lob wert. Anarchie ist diesen Tölen offensichtlich nicht nur am gestrigen 1. Mai fremd, Selbstbestimmung scheint ihnen ein Wesensgräuel zu sein. Ein Hoch also auf den in betuchte Vorgärten pinkelnden Dalmatiner, ein Hoch auch auf den Mops, den Feind der Spaßgesellschaft und des Schönheitsideals. Das sind doch mal kluge Hunde. uem

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