Politik : … der Sockenschuss en vogue wird

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Zu den eindrucksvollsten Metaphern, die die deutsche Sprache parat hat, gehört jene vom nackten Mann, dem man so ohne weiteres nicht in die Tasche greifen kann. Gemeinhin wird sie verwendet um die eigene Mittellosigkeit zu signalisieren, zumindest aber einen gesunden Widerwillen gegen Anspruchsmentalität jeglicher Form. Die bildhafte Darstellung, zumal auf internationalem Parkett, scheiterte allerdings meist am Schamgefühl der Beteiligten, und selbst von Helmut Kohl, der mit seinem Männerfreund Boris Jelzin in russischen Saunas die deutsch-russische Freundschaft herbeischwitzte, ist nicht überliefert, dass er beim finanziellen Teil der Angelegenheit gelegenheitshalber einmal blank gezogen hätte. Leutselig genug wär’s ja gewesen, damals.

Wie aber sagt man am geschicktesten, dass es nix zu verteilen gibt, ohne den anderen direkt vor den Kopf zu stoßen? Den enger geschnallten Gürtel registriert kein Mensch, und höher gehängte Trauben, etwa als Dekoration beim Staatsbankett, setzen beim Gegenüber schon eine Feinsinnigkeit voraus, die gerade Leuten abgeht, die relativ klamm sind.

Für eine so noch nicht bekannte Doppellösung hat sich nun der Weltbankpräsident Paul Wolfowitz bei seinem Aufenthalt in der Türkei entschieden. Wolfowitz nutzte geschickt den Besuch einer Moschee dazu, scheinbar en passant seine nur unzureichend bestrumpften Zehen zu präsentieren (siehe Bild), was in Bankerkreisen als „Sockenschuss-Variante“ gilt, Symbol für eine besonders hartleibige Kreditverweigerung. Bei einem Abstecher in einen Basar gab er zudem vor, sich zwei Silberarmreife nicht leisten zu können.

Entsprechend desillusioniert vernahmen im Anschluss daran die Gastgeber die nüchterne Einschätzung des Weltbankpräsidenten: „Der wirtschaftliche Fortschritt der Türkei ist beeindruckend.“ Vbn

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