Politik : … der Sommer erste Opfer fordert

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Sehr, sehr tief im Meer, sehr weit weg von hier, auf der anderen Seite der Erde, da lebt der Riesenkalmar. Ein Kalmar, das ist so etwas wie ein Riesentintenfisch, der enorm lang und groß werden kann und nicht einmal einem Zank mit Pottwalen aus dem Weg geht. Und: Der Kalmar kann immer. Wann immer ihm ein anderer Kalmar begegnet, und das ist selten, weil es tief unten im Meer sehr, sehr einsam und sehr, sehr dunkel ist, versucht der Kalmar sich zu vermehren. Obwohl der Kalmar an sich sehr gut sehen kann, kann auch er so tief unten im Meer nichts sehen. Und deshalb kann er auch nicht sehen, ob er in den tiefsten Tiefen der Tiefsee ein Männchen oder ein Weibchen vor sich hat. Deshalb paart sich der Kalmar auf Verdacht. Mit jedem anderen Kalmar, der ihm an den Tentakeln vorbeirutscht. Im Dunklen.

Flusskrebse dagegen, auch das sind neue Erkenntnisse der Wissenschaft, schlummern am liebsten an der Wasseroberfläche. Wenn sie genügend Zeit hellwach auf dem Boden von Seen und Flüssen zugebracht und den einen oder anderen Badegast in die Zehen gezwickt haben, dann tauchen sie auf. Sie legen sich auf die Seite, blinzeln ihren Partnern noch einmal zu und gleiten in den Schlaf. Die Gehirnwellen werden langsamer, der Krebs schnarcht und lässt die Sonne auf den Panzer knallen. Elf Stunden am Tag treibt er so dahin.

Ja, das Leben im Hochsommer kann so schön sein: In der kühlen Tiefsee paart sich der lichtscheuschlüpfrige Kalmar, an der lauen Wasseroberfläche träumt der schläfrige Flusskrebs von der Liebe und vom Leben.

Da. Paff. Schnapp. Schlurf. Der Kalmar geht dem Fischer ins Netz. Er wird in Scheiben geraspelt und als panierte „Calamari Fritti“ an den Stränden des Mittelmeers zum hochsommerlichen Tapas-Greifen ausgereicht. Schlimmeres noch geschieht in Schweden. Jetzt. Anfang August. Der Krebs: keine Chance. Gerade noch dachte das gähnende Krebslein ans Wieder-Untertauchen-und-Badegast-Beißen, da grapscht die gierige Schwedenhand nach ihm. Ein paar Flaschen Aquavit auf dem Tisch lassen jegliche Bedenken schwinden, die zappelnden Gestalten landen in kochendem Dillwasser oder auf dem glühenden Grill, und am Ende werden sie nach dem althergebrachten Prinzip „eine Schere, ein Schnaps“ mitleidlos heruntergeknurpselt.

Hochsommer in Europa. Grausam. Roh. Aber haben wir nicht den ganzen verregneten Juli lang auf so etwas gewartet? uwe

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