Politik : ...der Spargel uns krank macht

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Der Spargel steckt in der Krise. „Der Ruhm von Braunschweig“, der „Frühbote“ und auch „Mary Washington“ spielen im Spargelanbau praktisch keine Rolle mehr. Zu unwirtschaftlich. Der Trend heute geht mehr zum „Schwetzinger Meisterschuss“, zu „Huchels Alpha“ und in den Niederlanden zu „Thielim“, weil „Thielim“ nicht so anfällig ist für den hinterhältigen Botrytis, den fiesen Schimmelpilz. Die Krise an sich kann der moderne Spargel indes nicht aufhalten.

Es gibt Spargelfreunde, die allen Ernstes glauben, dass schon die Ägypter vor rund 5000 Jahren den Spargel schätzten, besonders „als in der Liebe nützlich.“ Na ja. Was als Beleg auf den Grabfresken Spargel sein soll, können auch gut und gerne ein paar Holzstücke sein. Und ob in der Liebe nützlich? Hippokrates aus Kos, ein zu seiner Zeit berühmter Arzt aus Griechenland schätzte die stopfende Wirkung des Spargels. Die Zeit von Hippokrates war um 460 – 370 v. Chr. Es gab auch Griechen, die die harntreibende Wirkung des Spargels priesen. Spargel ist sowohl als auch.

Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass der Spargel schon viele Krisen gemeistert hat. Die Römer zum Beispiel bauten den Spargel im eigenen Kleingarten an. Klar, dass der Spargel als Rarität nur etwas für wohlhabende Römer war. Dann brachten die Römer den Spargel nach Deutschland. Dort baut man ihn auf riesigen Feldern an. Das ist der eigentliche Krisenherd.

Die Spargelernte ist ein mühsames Geschäft. Man braucht dazu ein gebogenes Messer, das so genannte Spargelstechmesser, eine Mauerkelle, die so genannte Spargelkelle, einen Handschuh und einen Korb für den gestochenen Spargel. Dann muss man sich bücken und den Spargel mit gespreizten Fingern sorgfältig freilegen. Macht man das nicht sorgfältig genug, zerstört man den Wurzelstock des Nachbarspargels. Spargelstechen geht ins Kreuz.

In diesen Tagen geht die Spargelstecherei wieder los. Dazu werden viele Spargelstecher gebraucht, insgesamt benötigt Deutschland pro Jahr 870000 Erntehelfer. Bei 5,2 Millionen Arbeitslosen ist Spargelstechen zwar noch nicht die Lösung, aber eine Erleichterung. Aber die wollen nicht, die Deutschen, sagen die Bauern. 5,42 Euro pro Stunde sei ihnen zu wenig, sagen die Bauern, oder die Arbeit zu mühsam. Es muss aber gesagt werden, dass man zum Spargelstechen verdammt früh aufstehen muss. Und dann wird man krank. Und hat Kreuzweh.Wenn man krank wird, muss man zum Arzt. Das kostet. Spargelstechen kann teuer werden. Der eigentliche Herd der Krise des Spargels ist die Gesundheitsreform.uem

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