Politik : ...der Staat ernst macht

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Kriminell sein in Amerika – das stellen wir uns als verdammt harten Job vor. Mancher landet schon im Knast, wenn er nur über die Drehkreuze in der UBahn springt, und die richtig harten Fälle… Na, Sie wissen schon: Hände aufs Autodach, Beine gespreizt, ans Bewegen nicht mal denken, sonst Alcatraz. Und wer dennoch entkommt, hat das FBI im Rücken oder diese schmierigen Kopfgeldjäger, die mit dem Allrad-Hummer gleich durch die Wand ins Motelzimmer donnern und dann zur Festnahme unter der Dusche schreiten, Kollateraltote eingeschlossen. In Deutschland dagegen klingelt der BKA-Zielfahnder mit Blumen und bittet um ein Gespräch, er hätte da, räusper, ein Problem, und ob man sich eventuell ein paar Wochen Haft vorstellen könne, Vier-Sterne-JVA, gern mit Sauna, Whirlpool, Wellness, so diese Sachen?

Ja, und wie es mit Klischees so geht: Plötzlich sind sie hinüber. In den USA, so lesen wir jetzt, haben die Behörden innerhalb einer Woche 10000 flüchtige oder bereits verurteilte Verbrecher festgenommen, um die sich vorher einfach keiner gekümmert hat. Leute, die sich auf Kaution davongemacht haben, in ein anderes Bundesland gewechselt sind, Schwerverbrecher allesamt, denen vorher kein Jerry Cotton das Leben schwer machte. Eine Großaktion mit aller Kraft – und zack, schon fahren sie ein, vermutlich ungefähr so lange, bis wieder jemand eine neue Kaution gestellt hat.

Die Folgerung daraus liegt auf der Hand: Polizeiliches Handeln findet möglicherweise gar nicht dauerhaft statt, sondern wird unter tätiger Mithilfe von Kriminalautoren und Filmregisseuren nur simuliert. Und das so lange, bis die bösen Buben auf der Straße überhand nehmen und durch eine demonstrative Aktion endlich eingesammelt werden. Ist das am Ende sogar zukunftsweisend für den effektiven Einsatz knapper Steuermittel?

Dann werden wir uns alsbald auf ähnliche Nachrichten aus Deutschland gefasst machen müssen. Plötzlich wird ein vernehmliches Ruckeln und Schieben durch unser Land gehen, wir wundern uns und hören, hey, die zuständigen Regierungen hätten eine Woche lang entschlossen durchregiert, und nun seien die wesentlichen Probleme als gelöst anzusehen. Dann ist wieder Ruhe, die Politiker kehren in ihren bürgerlichen Beruf zurück,und ein paar Darsteller beschäftigen sich bis zum nächsten Mal mit der Simulation, hacken ein wenig auf dem Kapital oder anderen Lieblingsfeinden herum.

In diesem Sinn ist der anhaltende Quotenhänger der TV-Serie „Kanzleramt“ ein bedenkliches Zeichen. Wenn schon die Simulation nicht klappt – wie soll dann irgendwann die richtige Politik in die Gänge kommen? bm

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