Politik : … der StAGN keine Chance hat

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Boris Becker, was macht der eigentlich gerade? Es war immer so hübsch, von ihm zu hören, er fliege demnächst nach Mällböhrn und dann weiter nach Zinnzinäddi. Boris Becker ist stets in der richtigen Stadt angekommen, in Melbourne, in Cincinnati und anderswo. Wenn ein Italiener nach München fährt, fährt er nach Mohnako, die Dame aus Paris setzt sich in den Zug nach Münique, Tony Blair würde sich nach Mjunick auf den Weg machen. Na und? Irgendein Problem? Es ist dies das von Helmut Kohl stets geforderte Europa der Nationen, das Europa der Dialekte, der Vielfalt. In diesen Tagen fliegt halb Deutschland wieder mal nach Mallorca. Die Sangriafraktion vom Ballermann 6 sagt vertraut Malle dazu, die Gebildeten sprechen es Majorka, das spanische DoppelLL elegant zu einem j-ähnlichen Laut verschmelzend. Und alle landen sie wie vorgesehen in Palma, Flughafen Son Sant Joan. Erinnert sich eigentlich noch jemand, aus welcher Ecke Bill Clinton stammt? Aus Arkansas…tja, früher hieß es Arkansas. Seit wann sagen wir eigentlich Aakänsoo?

Das sind so Fragen, die dem StAGN keine Ruhe lassen. Der StAGN kämpft für eine klare Linie. Sonst würden „Missverständnisse“ drohen, deren Auswirkungen... - ach, lieber gar nicht daran denken. Der StAGN ist der Ständige Ausschuss für geographische Namen beim Bundesamt für Kartographie und Geodäsie in Frankfurt a. M. Von hier aus werden eifrig Exonyme bekämpft, das sind Namensformen, die in einer fremden Sprache anders lauten als in der eigenen.

Neapel? Napoli? Jalalabad? Dschalalabad? Peking? Beijing? Gerade läuft eine Agenturmeldung ein: „A c h t u n g Redaktionen.“ Gesperrt gedruckt, ein Peitschenknall! Von heute an, heißt es da, gibt es eine einzige offizielle Schreibweise: „Al Kaida“, arabisch für: die Basis. Gesprochen klingt das im Arabischen wie ein gewürgter Kehllaut, gefolgt von einem heiseren Eselsruf. Warum interessiert eigentlich den StAGN, wie eine Zeitung das schreibt? Woher kommt diese unbändige Lust, alles zu systematisieren? Die EU-Norm ist der Tod der Kreativität. Und im Missverständnis, sagte Sigmund Freud, liegt die Wahrheit. Große Komiker wie Karl Valentin und Loriot leben vom Missverständnis. Wie viel ärmer wäre die Welt ohne den Verhörer: „Über mir schwebt ein Damenkloschwert...“ Der Tagesspiegel, übrigens, wird wie bisher „Al Qaida“ schreiben. Auch wenn der StAGN mit dem Schwert des Damokles droht, geschwungen von Otto Rehakles … not

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