Politik : ...der Toaster uns die Wahrheit sagt

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Den größten Fehler machen wir immer schon am frühen Morgen. Ratsch! hüpft der Toast heraus, wir streichen Butter und Marmelade drauf – und haben möglicherweise ein paar hundert Euro verschenkt. Denn es hätte ein Bild auf dem Toast sein können, eine aktuelle Botschaft aus dem Hyperraum, irgendwas, worum sie sich bei Ebay reißen würden.

Die Auffassung, Toaster produzierten nur stereotype dunkelbraune Streifen auf dem Brot, ist überholt. Irgendeine sehr hohe Instanz hat sich offenbar entschlossen, das Küchengerät als Nachrichtenmedium zu nutzen. Als jetzt Michael Jackson freigesprochen wurde, sprangen in mehreren Ecken der Welt Brotscheiben mit dem Porträt des Sängers aus dem Schlitz, gut sichtbar, sofern der Betrachter ein wenig guten Willen mitbringt. In Texas materialisierte sich das JacksonPorträt ausnahmsweise auf einem Pfannkuchen, vermutlich nur ein Softwarefehler, wie er bei jedem Heimcomputer vorkommt. Denn der Technologie-Sprung ist offensichtlich: Das per Hand zubereitete, etwa zehn Jahre alte Käsesandwich mit den Umrissen der Jungfrau Maria brachte vor einigen Monaten am Ende überhaupt keinen Erlös.

Auf einer Erfindermesse wurde vor einigen Jahren der Prototyp eines Toasters vorgestellt, der in Verbindung mit dem Internet eine Art Wetterbericht aufs Brot brennen konnte, eine liebe Sonne, Regentropfen, Wolken, je nachdem. Genial – und trotzdem angeblich nie realisiert. Jetzt wissen wir, warum: Höhere Mächte haben sich die Technik angeeignet, haben sie so verfeinert, dass sie auch ohne Computer funktioniert. Wer? CIA? Al Qaida? Die Ratiopharm-Zwillinge? Wir können nur mutmaßen.

Denn auch das Ziel der rätselvollen Brennerei bleibt unklar. Sie greift der Realität nicht vor, zeigt nur, was gerade passiert ist, wie eine Art göttlicher Quittung, wie die Botschaft eines höheren Agentenführers an seine frühstückenden Perspektivagenten.

Es geht aber immer um etwas Großes. Für einen deutschen Feldversuch bietet sich deshalb die kommende Bundestagswahl an. Behalten wir die Küche im Auge! Was da auf der Creme brulée aufscheint, könnte glatt das Profil von Oskar Lafontaine sein, die markante Zeichnung auf dem Wiener Schnitzel Angela Merkel ähneln. Und ringelt sich nicht da oben auf der Schokomousse eine kleine Westerwelle? Renate Künast, hören wir, wird sich im Falle eines grünen Wahlerfolgs so wie Michael Jackson über den Toaster zeigen. Allerdings nur, wenn Vollkornbrot drinsteckt. bm

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