Politik : ...der Zauber beginnt

-

Scholastika von Nursia war, so wird berichtet, von Kindheit an Gott geweiht. Die Sache ist schon eine Weile her, beinahe 1500 Jahre, daher sind die Informationen knapp. Dass wir überhaupt welche haben, verdanken wir ihrem Zwillingsbruder, der hieß Benedikt von Nursia und pflegte sich in Dornen zu wälzen, wenn ihn Versuchungen, etwa in Form von Jungfrauen, ereilten. Außerdem dachte er sich die Benediktinerregel aus.

Für Schwester Scholastika, die als erste Benediktinerin gilt, war er ein interessanter Gesprächspartner, sie besuchte ihn pro anno ein Mal. Am Ende ihres letzten Gesprächs, in dem es vermutlich auch um die letzten Dinge gegangen war, starb Scholastika und stieg als Taube zum Himmel auf. So hat es Benedikt beobachtet und weitererzählt, und die Katholische Kirche hat die Konsequenz gezogen: Den 10. Februar hat sie zum „Gebotenen Gedenktag der hl. Scholastika“ erklärt.

Wahrscheinlich waren sie sich dessen nicht bewusst, aber eben diesen heutigen Gedenktag haben die Verantwortlichen der Berlinale zum Eröffnungstag ihres großen, ausgesprochen weltlichen Trubels erklärt.

Heute erkälten sich die ersten schönen Frauen auf dem roten Teppich, da die Fotografen sie dort zwingen zu verharren, je knapper der Fummel, desto länger. Man kann das als ein neuheidnisches Opferritual begreifen. Über den Ersatz der Heiligen durch Filmstars in unserer traditionsvergessenen Zeit ist schon viel berichtet worden, daher deuten wir das hier nur an.

Das Problem ist doch: Die Filmschaffenden haben nicht mal einen eigenen Schutzpatron. Der päpstliche Medienrat hat auf seiner letzten Sitzung darüber debattiert, eine Einigung wurde jedoch nicht erzielt. Und das in dieser Zeit, da selbst Artilleristen (hl. Barbara), Rundfunkangestellte (hl. Gabriel) und Weltraumfahrer (hl. Joseph von Copertino) einen haben. Wie sollen die Filmschaffenden denn ein vernünftiges Verhältnis zur christlichen Legende aufbauen?

Man könnte den heutigen Gedenktag zum Anlass nehmen und einen kleinen Anfang wagen. Wie wäre es, wenn man die hl. Scholastika zur Schutzpatronin zunächst einmal einer kleinen Gruppe unter den Filmschaffenden erklärte, deren Rolle jedoch kaum zu überschätzen ist? Scholastika, die schon vor eineinhalb Jahrtausenden die Sache mit der Taube hinbekam, könnte für die Tricktechniker um göttlichen Beistand bitten. Wenn sich das bewährt, kann man mit den Kleindarstellern und den Regisseuren weitermachen. Die Stars kommen zum Schluss dran: Man müsste sie erst mal selbst entzaubern. dae

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben