Politik : … Deutschland eine First Lady sucht

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Von Johan Thomas Lundbye ist überliefert, dass er gerne einmal so vor sich hinschlenderte. Auch im Frühjahr 1840, damals geschah es in Vallekilde, und Johan Thomas schaute hinüber zum Dragsholmer Schloss und nach Nekelsø und dachte dann bei sich: „Hey, ich erfinde jetzt die dänische Landschaftsmalerei und male Nekelsø.“ So geschah es, und seitdem hängen in den dänischen Wohnstuben und in den angrenzenden von SchleswigHolstein all die Landschaftsgemälde von Lundbye, von Ole Bjørn oder auch von Peer Baggøe.

In Peter Harry Carstensens stattlichem Anwesen auf der wunderschönen Nordsee-Insel Nordstrand hängen besonders viele dieser dänischen Landschaftsbilder, Peter Harry Carstensen versteht sich nämlich als Sammler. Allein, was hat er davon? „Andere können noch ein bisschen mit ihrer Frau reden, bevor sie ins Bett gehen. Aber wenn ich heimkomme, ist da niemand.“ Peter Harry Carstensen ist einsam. Ob das nun an der dänischen Landschaftsmalerei liegt oder an der Rede vor dem Zu-Bett-Gehen, wer weiß das schon? Harry ist Witwer und möchte diesen traurigen Umstand gerne ändern. Harry ist aber auch Politiker, er ist bei der CDU und sogar aussichtsreicher Kandidat für das Amt eines Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein. Politiker machen ja immer weniger Politik. Sie privatisieren lieber. Harry hat das jetzt in der „Bild“ getan, und sucht unter der ehrlichen Überschrift: „Das gab’s noch nie in der deutschen Politik“ eine First Lady für Schleswig-Holstein. Wenn Sie also, und wir wenden uns jetzt ausdrücklich nur an die weibliche Leserschaft, Interesse haben, Landesmutter zu werden, wenden Sie sich ruhig an „Bild“. Dort werden die Zuschriften weitergeleitet. Harry hat einiges zu bieten: Er wohnt gleich am Strand, er grillt gerne (unter uns, man sieht es ihm ein bisschen an), dafür hat er aber ein Haus mit Riesengrundstück. Sie als Interessierte müssten schon auch Rasen mähen wollen. Der Garten hat 20 000 Quadratmeter. Harry ist mehr so ein romantischer Typ: „Ich möchte mich so gerne mal wieder verlieben – mit Schmetterlingen im Bauch.“ Und er ist auch mehr so ein burschikoser Typ: „Das muss krachen. Das muss Bautz machen.“

Übrigens ist Peter Harry Carstensen 57 Jahre alt. Sie müssten ihm also noch beibringen, dass das Private privat gehört, und Politiker gewählt wurden, Politik zu machen. Wenn Sie also den Mut haben, Ihren Harry beim öffentlichen Privatisieren zu bremsen und ihm zurufen wollen: „Harry, halt die Klappe!“, dann bewerben Sie sich doch einfach.uem

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