Politik : ...Deutschland gerne jung wäre

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9621700 Menschen zwischen 15 und 25 Jahren gab es in Deutschland im Jahre 2003. Wie an der Heftigkeit der Rentendebatte abzulesen ist, hat sich die Zahl bis zum heutigen Tag eher verkleinert als vergrößert. An diesem heutigen 12. August feiert diese Gruppe – man nennt sie Jugend – ihren Internationalen Tag. Den haben die UN vor fünf Jahren in den Kalender gehoben. Ein weltweites Bollwerk gegen die Vergreisung und gegen Frank Schirrmacher.

Hier zu Lande macht Jugend etwas mehr als zehn Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Das ist eine lächerliche Minderheit. Aber sie hat die Macht. Verwiesen sei in diesem Zusammenhang auf Thomas Gottschalk, Dieter Bohlen, Nina Hagen, Dr. Ulrich Strunz und Guido Westerwelle. Alle wollen noch mal 20 sein, knackig, fit, Objekte der Begierde, sinnlich, und verschwenderisch auf Vespas und in Cabrios und mit wehendem Haar durch Innenstädte schnurren. Dabei ist ihre Zukunftsprognose eher düster, irgendwie gichtig.

Es ist wie in alten Zeiten. Damals bildete der Adel eine lächerliche Minderheit. Aber alle wollten so sein wie er. Blass im Teint, zum Beispiel. Der Adel hatte es ja nicht nötig, im Freien auf dem Feld zu arbeiten, und Pools zum Sonnenbaden waren damals nicht so verbreitet. Oder Leben wie Prinzens. Auf diese Weise entstanden die Charlottenburger Wohnungen mit 227 Quadratmetern.

Heute ist die Bedeutung der Adeligen praktisch zerstört. Sie finden nur noch wenige Nachahmer. Wer will schon Ernst August heißen und womöglich noch so sein wie der? Oder wie dessen Schwägerin, die kleine Stephanie, die sich immer mal wieder aus dem Zirkus einen Dompteur zum Liebhaben nach Monaco holt? Es will doch keiner ernsthaft die Ohren von Charles haben und die Garderobe von Elizabeth. Nein, die Macht des Adels ist gebrochen.

Jugend regiert die Welt. Der 12. August als Jugend-Jubeltag ist im Übrigen trefflich gewählt. Auch als Warnung und Mahnung. Womit wir bei Goethe wären. „Jugend ist Trunkenheit ohne Wein“, schrieb er, damals noch in Unkenntnis von Alcopops. Auch er war schon dem Jugendwahn verfallen. „Trinkt sich das Alter wieder zu Jugend“, schrieb er weiter, „so ist es wundervolle Tugend.“ Im Werther indes lässt er den jugendlichen Helden im Tagebucheintrag „Am 12. August“ berichten, wie dieser sich von Freund Albert die Pistolen borgte. Was Werther mit den Waffen später töricht anstellte, ist bekannt. Was der junge Mann geworden wäre, wenn er nicht in die Natur eingegriffen hätte, kann man sich denken: alt.uem

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