Politik : … die Angst vergraben wird

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Fahren Sie einfach mal nach Slapout/Oklahoma, beispielsweise, und sagen „Hölderlin“ oder „Otto Graf Lambsdorff“. Nichts als verwirrte Gesichter, kennt hier kein Mensch. Ein bisschen besser ist es mit „Gemütlichkeit“. Gemütlichkeit ist deutsch, das verstehen sie in Botswana und auf Cook Island. Kuckucksuhr! Oktoberfest! „Blitzkrieg“ ist noch so ein deutsches Wort, das um die Welt ging, „Kindergarten“ auch. Komisch eigentlich, der Kindergarten gilt als urdeutsche Erfindung, dabei gibt es hier viel zu wenige davon.

Wirklich berühmt ist auch die „German Angst“. Gute Güte, wie viel Spott hat man sich dafür abgeholt. Ehemalige Blitzkrieger, denen heute die Knochen vor Angst schlottern, das ist ja auch merkwürdig. Angst vor der Atomkraft. Angst vor dem Ozonloch. Schaut euch diese Deutschen an, hihihi. Dann flog Tschernobyl in die Luft, und kein vernünftiger Mensch legt sich mehr lange in die Sonne, tja, der Hautkrebs. Inzwischen haben auch Australier Angst davor, und die sind ein eher wildes Völkchen.

Und heute? Lange nichts mehr gehört von der „German Angst“. Bis jetzt die Versicherungsbranche loslärmte. Die Leute würden eilig ihre Bausparverträge kündigen. Kapitalbildende Lebensversicherungen werden schnurstracks aufgelöst, obwohl dabei erkleckliche Schlussgewinne flöten gehen. 50 000 in wenigen Wochen. Es gibt schon einen Begriff dafür: „HartzIV-Panik.“

Auch das ist ja ein bisschen merkwürdig: Da ist einem jahrelang erzählt worden, die Bürger sollten vorsorgen, mit der Rente alleine werde es nichts mehr, sprich: Cappuccino-Modell (der Kaffee kommt vom Staat, für die Milch muss selbst gesorgt werden); da redet keiner mehr davon. Und jetzt wird einem erzählt, im Falle der Arbeitslosigkeit solle jeder erstmal seine Milch ausschlürfen, ehe der Staat mit dem Wasser kommt (weil: Kaffee ist gestrichen). Wundert es einen da, wenn die Leute ein bisschen ängstlich reagieren?

Nun wird also liquidiert, was das Zeug hält. In Sporttaschen und Jutesäcken tragen sie Bares nach Hause, verstecken es auf dem Speicher, verbuddeln es im Garten, legen Depots an im Wald und auf der Heide. Und irgendwann, in ein paar Hundert Jahren, werden Archäologen mit Pinsel und Schäufelchen mit Ausgrabungen beginnen.

Sie werden versteinerte Eurobündel finden und verklumpte Centbrocken. Sie werden sagen, sie hätten die „Hartzzeit“ entdeckt, eine Zeit des Reichtums.not

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