Politik : … die Anstalt geschlossen ist

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Das Amtsgericht Nürnberg hat dieser Tage eine 42 Jahre alte Thüringerin zu einer viertägigen Ordnungshaft in die Justizvollzugsanstalt (JVA) Stollberg bei Chemnitz einweisen wollen, ist mit seinem Vorhaben allerdings gescheitert, da es sich bei Stollberg um eine im Wortsinne geschlossene Anstalt handelt. Mittlerweile nun auch schon seit vier Jahren!

Wahrscheinlich war es ungefähr so: Die zum Strafantritt durchaus bereite Thüringerin hat eine Zeit lang vergeblich nach dem Klingelknopf in Stollberg gefahndet, bevor sie schließlich dazu überging, zaghaft zunächst, dann energischer werdend, an einigen, im Übrigen bereits erstaunlich angerosteten Gitterstäben zu rütteln, dabei mehrfach den Satz murmelnd: „Ich soll hier rein“. Als das alles nicht fruchtete, hat sie sich, unsicherer werdend, von ihrem Bekannten das Handy geliehen, die 11833 angerufen und sich mit dem Amtsgericht Nürnberg verbinden lassen.

„Amtsgericht Nürnberg, …“

„Nu, hallo, ich bin’s, die 42 Jahre alte Thüringerin, die von Ihnen für vier Tage nach Stollberg geschickt wurde …“

„Ja, und?“

„Der Knast ist dicht“.

„Na logisch, sonst wäre es ja auch kein Knast. Hahaha“.

„Nein, das meine ich nicht. Ich stehe ja noch draußen. Er ist zu. Hier ist kein Mensch mehr. Was soll ich denn jetzt machen? “

„Das weiß ich doch nicht. Ich sitze hier nur in der Telefonzentrale“.

Schön sind solche Gespräche nicht! Im Prinzip unangenehm für beide Seiten, für Bürger und Staat, die in solchen Momenten die erschreckende Hilflosigkeit des jeweils anderen erkennen. Der Bürger, hier die zum Strafantritt durchaus bereite 42 Jahre alte Thüringerin, erleidet in solchen Situationen Vertrauensverluste (mindestens) in die Funktionstüchtigkeit des deutschen Amtsgerichtswesens im Besonderen, die letztlich zu einer Politik- und Staatsverdrossenheit im Allgemeinen führen können. Die wiederum ist nur sehr schwer wieder zu korrigieren. Der Staat, hier der auf Ein-Euro-Basis zum Telefondienst verpflichtete Nürnberger Langzeitarbeitslose, überlegt, wo Stollberg eigentlich genau liegt, und ob man denen im Osten nicht prinzipiell genauer auf die Finger schauen sollte, wenn die da jetzt schon wieder ganz offensichtlich Knäste in Eigenregie stilllegen dürfen ohne vorher vernünftig Bescheid zu sagen.

Wäre mal wieder Zeit, überlegt der Staat, für einen Tag der offenen Tür. Vbn

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