Politik : ... die Bürokraten Al Qaida gefährden

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Wir als friedliebende und gesetzestreue Menschen machen uns ja keine Vorstellungen vom entbehrungsreichen Leben eines Terroristen. Immerhin: So einer weiß meist vorher, wo es knallt, und er kann insofern beruhigt durchs Leben gehen bis zu dem Tag, da er aus eigenem Antrieb erfährt, ob im Jenseits wirklich 70 Jungfrauen warten – und ob das ggfs. überhaupt zu ertragen ist. Aber bis zu diesem magischen Moment: Hören Sie bloß auf! Aus der Veröffentlichung von EMails der Bin-Laden-Truppe wissen wir jetzt nämlich, dass die zum Planen und Töten eingesetzten Außendienstler von den zuständigen Buchhaltern überwacht werden wie deutsche Angestellte von den Controllern. Der Ärger wegen hoher Handy-Rechnungen hat offenbar schon offene Drohungen ausgelöst, den Kontakt abzubrechen und den ganzen Kram hinzuschmeißen.

Wir erkennen darin akute bürokratische Probleme, die allen Großunternehmen innewohnen. Die Zahl der eigentlichen Umsatzbringer nimmt ab, während die unproduktive Verwaltung einen immer größeren Anteil der Ressourcen vernichtet. Es könnte also passieren, dass ein Al-Qaida-Mann rasch eine Handvoll Semtex braucht – und dann vor der verschlossenen Lagertür steht: Ramadan! Ein anderer bucht eigenmächtig einen Flug per Internet – und muss sich dann von bin Ladens Vorzimmer sagen lassen, dass man als Großabnehmer mit Air America günstigere Konditionen vereinbart habe und die Differenz nicht erstatten könne. Und warum denn da in Basra ein, ähm, Doppelzimmer nötig gewesen sei?

Ja, da wird der friedfertigste Terrorist zornig und erwägt den Wechsel ins bürgerliche Leben eines Eventmanagers, was angesichts der immensen Ausbildungskosten kaum tragbar erscheint. Bevor nun die teuren Mc-Kinsey-Leute eingeschaltet werden, ein paar unentgeltliche Ratschläge: Reichen die Mittel nicht zu angemessen hohen Spesen und leistungsbezogener Entlohnung, müssen die so genannten „weichen“ Anreize gesteigert werden.

Mal ein Wochenende, Übernachtung/Frühstück, mit der Gattin in Mekka, mal ein Fortbildungsseminar am Hindukusch mit humorvollen, die Gruppenbindung stärkenden Partnerspielen, größere Zelte für erfolgreiche Mitarbeiter, eine vom Chef persönlich eingeschossene Uzi auch für den privaten Gebrauch incl. signierter Freipatronen – das könnte so manchen Frust kostengünstig überbrücken helfen. Und wenn alles nichts hilft, muss Osama bin Laden uneingeschränkt dem Vorbild anderer Topmanager folgen. Und wenigstens sein Gehalt veröffentlichen. bm

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