Politik : ... die Deutschen Trojaner wurden

Pferde sind geistig nicht sehr beweglich. Pferde sind relativ dumm. Menschen, die einem Pferd die intellektuelle Leistung beibringen, im Kreis zu laufen, mit dem Kopf zu wackeln oder ein Bein zu heben, solche Menschen nennen wir in unserer westlichen Kultur respektvoll „Dompteure“ und bezahlen ihnen Eintrittsgeld. Wer dagegen eine Apothekerin, einen Pudel oder ein Mitglied der Bundesregierung dazu bringt, ein Bein zu heben, bekommt zu Recht keinen Cent.

Der erste große Krieg der Geschichte ist durch eine List entschieden worden. Die Griechen haben getan, als ob sie nervlich fertig wären und aufgeben wollten. Am Strand stand dieses Pferd aus Holz.

Die Trojaner sahen das Pferd, dachten „sonderbar“ oder „ist ja süß“, nahmen das mit Kriegern gefüllte Pferd in ihre Stadt hinein, das war dann die Entscheidung des Krieges. Bei einem Löwen wären sie vorsichtiger gewesen.

Die wichtigste Lehre des trojanischen Krieges besteht darin, dass es ganz gut ist, unterschätzt zu werden. Bei allen Tricks und Listen gilt Regel Nummer eins: Wirke harmloser, als du bist. Steh einfach hölzern herum. Helmut Kohl haben sie auch unterschätzt. Vielleicht war auch er innen hohl, wer weiß. Oder Michael Schumacher. Am Anfang haben seine Konkurrenten gedacht: „Der dusslige Typ mit der roten Mütze findet sowieso nicht das Gaspedal.“ Oder Lothar Matthäus. Oder auch Angela Merkel. Da hat es immer erst einmal geheißen: „Ach, die sind lieb und tun keinem was.“ Dann holt man sie in die Stadt hinein, und sofort ist Rambazamba.

Heute läuft in den Kinos der Film „Troja“ an, von einem deutschen Regisseur. Ein anderer Deutscher, Heinrich Schliemann, hat die Ruinen von Troja entdeckt. Der deutscheste Dichter, Hölderlin, hat den großen Achill besungen. Und Senta Berger, einst von Wien nach Deutschland verschleppt, hat als Mädchen am liebsten „Trojanerin“ gespielt. Troja ist eine deutsche Geschichte. Von uns heißt es ja auch immer: Wir sind geistig zu unbeweglich. Wir können gerade mal mit dem Kopf wackeln und Schulden machen.

Am Samstag tritt Max Mutzke für uns im Schlager-Grand-Prix an. Es heißt, er sei hölzern. Bald spielen unsere Fußballer bei der EM. Kritiker sagen: Jedes Pferd kann besser dribbeln als die Deutschen. Wenn unsere Politiker bei internationalen Konferenzen auftauchen, völlig pleite, nervlich fertig, denken die anderen „sonderbar“ oder „ist ja süß.“ In Wirklichkeit aber steckt Gott weiß was in uns drin. Am Samstag, beim Grand Prix in Istanbul, wird man ja sehen. mrt

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