Politik : ...die dritten Zähne haftbar werden

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Dieser Tage wurden drei Bankräuber festgesetzt, die das Rentenalter längst erreicht haben. Frank Schirrmacher, der Buchautor, hat also doch recht: Die Vergreisung der Gesellschaft schreitet voran. Sie macht selbst vor dem Bösen nicht Halt. Angesichts schwindender Rentensicherheit ist Selbstständigkeit bei der Altersversorgung grundsätzlich zu loben. Über die Methoden könnte man vielleicht noch einmal reden.

Somit kommen wir auf Jutta Rosendahl zu sprechen. Frau Rosendahl ist Sprecherin des Justizministeriums von Niedersachsen. Dieses hat jetzt über die Konsequenzen solcher phantasievollen, aber illegalen Altersvorsorge nachgedacht. Das Ministerium rechnet mit einem Heer betagter Gangster. Das Ministerium plant die Errichtung eines Seniorengefängnisses. Ein solches Gefängnis, so Frau Rosendahl, muss „rollstuhlgerechte Baulichkeiten“ und ein „auf ältere Gefangene ausgerichtetes Programm“ haben. Ein Standort für diesen Knast ist schon gefunden. Ein trefflicher Standort, gerade für die Menschen, die durch Fehler in der Karriereplanung gramgebeugt durch den Herbst ihres Lebens marschieren müssen. Ohne Fehler in der Karriereplanung säßen sie ja nicht ein. Der Standort heißt Bückeburg.

Die wenigsten Menschen haben bislang über das Problem nachgedacht. Nun, da es das Ministerium getan hat, fällt es einem wie Schuppen von den Augen. Na klar, ein Greis im Knast will natürlich ganz anders behandelt werden. Junge Häftlinge denken möglicherweise darüber nach, wie sie ihre Muskeln stählen können. Einen Greis treibt dagegen mehr die Sorge um, wie er seine dritten Zähne mit Anstand haftbar machen kann. Gerade im Knast.

Auch erscheinen Weiterbildungskurse und die Vorbereitung etwa auf einen Hauptschulabschluss für die reifere Kriminalität vergebene Liebesmüh’ zu sein. Weil Hans eh nicht mehr lernt, was Hänschen undsoweiter.

So ein Seniorenknast bietet dagegen die Möglichkeit, altersgerechte Freizeitbeschäftigung anzubieten, ohne dass der Töpferkurs der Alten von den Jungen verlacht wird. Auch ist ein Sing-Kreis denkbar. Dass darin „Nabucco“ zum Repertoire gehören wird, liegt auf der Hand. Und für mittwochs, wenn die jungen Knackis Champions League gucken, wäre Dr. Ulrich Strunz bestimmt zu bewegen, über das Thema „Joggen im Innenhof“ zu referieren. Der Platz reicht nicht aus, um alle Möglichkeiten eines Seniorenknastes darzustellen. Ein Seniorenknast bietet vielen Ergotherapeuten Arbeitsplätze. Die Idee ist also in jeder Hinsicht zukunftsträchtig. uem

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