Politik : … die Jungfrau nicht mehr blankziehen kann

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Im französischen Reims haben unbekannte Diebe ein bronzenes Schwert vom Denkmal der Nationalheiligen Johanna von Orléans geklaut. Das ist schon unter patriotischen Gesichtspunkten nicht korrekt, aber auch sonst eine recht fiese Tat, denn der guten Jeanne d’ Arc ist dieses Missgeschick nun schon zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren widerfahren. Und immer in Reims, ausgerechnet. Das ist teuer und kostet den Stadtsäckel jedesmal gut 12 000 Euro. Als die Waffe der Jungfrau das erste Mal abhanden kam, musste sogar eigens ein Künstler nach Straßburg reisen, um sich dort einen Überblick zu verschaffen, wie das Furcht einflößende Teil wohl einigermaßen Arc-gerecht nachgebildet werden könne.

Was Wunder, wenn man stöhnt, in Reims: Ob das dämliche Schwert nicht auch mal irgendwo anders geklaut werden könne, hat sich nun ein Sprecher der Stadt gegenüber der Nachrichtenagentur AP geäußert, in Paris zum Beispiel, in Straßburg oder bei allerlei anderen über Frankreich verteilten Standbildern. Genug davon gäbe es ja schließlich. Bis auf den Ausdruck „dämlich“, den wir hier aus nachrangig dramaturgischen Gründen hinzugefügt haben, ist das Zitat verbürgt. Es zeugt also von einem durchaus pragmatischen Umgang mit nationaler Symbolik – und, wer weiß, vielleicht wird sich unsereiner alsbald eine Scheibe davon abschlagen können, sollte er denn umständehalber mal ein Schwert zur Hand haben, dann nämlich, wenn nach der ganzen „Schwarz-Rot-Geil“-Seligkeit auch die Forderung nach der Wiederbewaffnung unserer Nationalheiligen auf die Tagesordnung kommt.

Jetzt mal durchzählen, aber bitte ohne die Fußballer. Was ginge da so? Bismarck, zum Beispiel. Der gilt ohnehin als „eiserner Kanzler“, außerdem kennt ihn praktisch kein Mensch mehr. Wäre schon metaphorisch kein Problem, dem auch ein Schwert aus entsprechendem Material in die Hand zu drücken. Oder Kohl? Unser Einheitskanzler. Schon schwieriger, aber machbar. Nur ein Schwert ginge da gar nicht mehr.

Wahrscheinlich wird das aber eh auf absehbare Zeit nix. Realistisch ist so etwas in Deutschland nur umzusetzen, wenn die Grünen an der Regierung sind.

In Reims vermutet man übrigens, dass die unheimliche Serie auf die Taten eines Geistesgestörten zurückgeht. Sollte sich das bewahrheiten, dann wäre leider auch dies ein Beweis für den Wandel der Zeiten. Vor ein paar Jahren noch hätten wenigstens Pazifisten Hand an das Schwert der Jungfrau gelegt. Vbn

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